Beitrag 
Wochenschau.
Seite
510
Einzelbild herunterladen
 

310

aber der Speer verfehlte sein Ziel, und der Neger wurde völlig betäubt und besinnungs­los von dem Kampfplätze hinwcggctragcn, nachdem die Fußkämpscr das wüthende Thier davon gejagt hatten. Da dieser Stier anserwählt war, gctödtet zu werden, so erlegte ihn der Matador mit großer Gewandtheit, aber nicht in der ritterlichen Weise, mit welcher ein Altspanischer „Platerv" zu Werke gegangen sein würde. Der letzte Kamps — zwischen einem der Kämpfer und einem Stiere — war die vollendetste Schaustel­lung von Kaltblütigkeit und Gewandtheit, die ich je gesehen habe. Es wurde ein gro­ßer schwarzer Stier herausgelassen, welchem, nachdem er mehrmals in dem Kreise her­umgelaufen war und verschiedene Angriffe auf den Kopf des Zwerges gemacht hatte, ein riesenhafter kräftiger Neger entgegen trat, der nur einen kleinen rothen Mantel am linken Arme, nnd in der rechten Hand ein ungefähr einen Fuß langes Messer trug. Der wirklich außerordentliche Kamps nahm hieraus seinen Ansang. Der Stier stürzte sich auf den Neger, woraus dieser aus die Seite sprang, das Thier unter seinem mit dem rothen Mantel umschlungenen Arme hinwcglaufcn ließ und ihm dabei das Messer in den Hals stieß; der Stier drehte sich um, unternahm einen zweiten Angriff, und wurde auf dieselbe Weise empfangen und mit einer zweiten tiefen Wunde abgefertigt. Es erfolgte Angriff aus Angriff von Seiten des Stieres, aber es wurde ihnen von dem Neger stets mit derselben Kaltblütigkeit und Geschicklichkcit begegnet. Die Absicht des Negers war, mit seinem Messer das Mark des Genicks zu treffen, aber dies ist, so lange sich der Stier in Bewegung befindet, ein Ding der Unmöglichkeit, oder, wenn es -gelingt, ein reiner Zufall. Der .Kamps zwischen diesen zwei schwarzen Streitern dauerte fast eine Viertelstunde, und der Neger war mehrmals in nicht geringer Gefahr; endlich aber war der Stier hinreichend eingeschüchtert, und nun wnrde der Neger der angreifende Theil. Er schlich sich vorsichtig an den Kops des Thieres, und stieß sei» Messer in das Mark des Genickes. Der Stier war todt, ehe er zu Boden sank."

Neue Gedichte.

Poetische Schriften von N. Hirsch. Zwei Bände. Wien, Jasper, Hügel und Mcmz.

Fricdrichsehre. Ein Gedenkbuch für das Deutsche Volk, herausgegeben von Hcnscl. Posen, Merzbach.

Erwachen. Siebzehn Gedichte von Hugo lc Juge. Berlin, Stuhr's Sortiments- handlung.

Lieder von U. T. Meyer. Bonn, Wittmann.

Lcbenssrühling. Gedichte für die Jugend, von Carl Enslin. Zweite Auflagt Leipzig, Brandstetter. ^ Die erste Sammlung enthält Sonette, Lieder, Balladen, Romanzen u. s. »>- in der gewöhnlichen Art. Das Bcmcrkenswcrthcstc darin ist aber die Abtheilung, welche „Svldatenspicgel" überschrieben ist, uud deren erste Auflage zum Besten der Verwunde­ten der Ocstreichisch-Jtalienischcn Armee einen Ertrag von beinahe 11,000 Fl. C- - geliefert hat. Sie ist bcmerkcnswerth wegen ihres Inhalts. Das Gefühl der Loya l- tät, welches in der neuern Oestreichischen Poesie überhaupt die Hauptrolle sM ^ steigert sich in derselben bis zu ciuem Grade, daß man anfangen muß, um den Verstau des Publicums, welches sich an dergleichen erbaut, besorgt zu wcrdell. Ich aus die einfachen Ausbrüche -der Begeisterung für diesen oder jenen Oestrcichisch