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Italien drei Winter nach der Revolution : I. Neapel.
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ternahmen wir einen Nitt nach Camaldoli, dem berühmten Carthäuserkloster, das auch Förster in seinem ausgezeichneten Handbuch über Italien als den gepriesenen schönsten Punkt der bewohnten Erde bezeichnet. Hier, auf einer Plattform des Klostergartens, sammclu sich vor unsern wunderbcranschten Blicken alle Reize und alle Zauber einer schwelgerisch-üppigen Natur. Die edelsten, großartigsten Ma­terial«: der Schöpfung finden sich hier zusammengetragen nnd concentrirt auf einen geweihten Punkt; das unendliche Meer — der furchtbare Krater — die in traum- hafter Ferne schwimmenden Inselgruppen — der himmelspiegelnde Golf von Neapel nnd Baja — die in tausenderlei Formen sich erhebenden buschig-waldi­ge» Berge, welche allmählich iu eine unabsehbare grüne Fläche sich verlieren!

Wir standen eine Zeit lang im heiligen Schaner, mit entblößtem Haupte vor dieser andachterregeuden Weltschausstellung, und, zu unsern Füßen das bleiche Neapel, mit seinen Qualen nnd Kerkern seufzend, fühlten wir in seiner ganzen Schwere den modernen Sinn des alten Spruches: „Veäer ^üpoli « poi morirs!"

Französische Romantiker.

Charles de Bernard.

Bernard ist im Ganzen in Deutschland wenig bekannt, und es ist daher nicht unangemessen, auf ihu aufmerksam zu macheu. Er gehört unzweifelhaft zu den besten Französischen Novellisten und hat die Vorzüge derselben, eine rasche, poin- tirte, leicht übersichtliche Erzählung, ohne das Ueberschwängliche, welches uns bei den meisten der Französischen Romantiker stört. Wir finden uns in seinen Erzählungen in der Sprache des alteu Frankreich, in jeuer leichten, klaren, graziösen Darstcl- lungswcise, die über der Feinheit keineswegs die Ursprünglichkeit aufgiebt, einer Darstelluugswcise, wie sie Moliöre und Lafontaine geschaffen, wie sie anch in Voltaire's besseren Schriften sich wiederfindet, die aber in neuerer Zeit durch das Vorwiegen der Reflexion und der äußern materialistischen Beobachtung, durch die beiden Extreme der Rvussean'schen und der Victor Hugo'schen Schule fast voll­ständig verdrängt ist. Nur in zwei Pnnkten unterscheidet sich Bernard wie die gesammte moderne Literatur von der guten alten Zeit.

Einmal nämlich beschäftigt er sich fast ausschließlich mit der seinen Welt der Hauptstädte, mit der sogenannten Gesellschaft, die in ihren sittlichen Grundbegriffen corrumpirt ist, und bei deren Darstellung die Natur nnr in der Form der Ironie auftreten kann. Sodann gehört er jener skeptischen Richtung an, welche die ein­fachsten Grundbegriffe in Frage stellt, und die bei einem ernsten Gemüth eine seltsame Mischung von anscheinender Frivolität und von geheimer Bitterkeit her-