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Pariser Botschaften.
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Weise läßt sich nur die Annahme rechtfertigen, es geschehe, um ans alle Fälle vorbereitet zu sein.

Daö Land ist noch immer rnhig, und selbst die Börse weiß nicht, was sie für Miene machen soll. Die Papiere fallen heute ohne Grund, um morgen wieder mit nicht mehr Grund zn steigen man wartet. Ungeduldig, das heißt vor Nengierde, ist man nur in Paris, weil die nächste Versammlnng wieder Frank­reichs erste Redner ans die Bresche rnfen wird. Die persönliche Eitelkeit, oder, wenn Sie wollen, der Ebrgciz spielt in allen parlamentarischen Versamm­lungen eine große Rolle, aber wol nirgend eine so gewaltige, wie bei unö in Frankreich. Es läßt sich auch begreifen, da nirgend der Redner so, viel Ein­fluß ans das Volk ausübt, als eben in Frankreich, wenn gleich die Wirkung nur eine ephemere bleibt, und ein Journalist wie Girardin immmer noch mehr posi­tive Einwirkungen ausübt, als selbst die glänzendsten Redner. Der Journalist wirkt auf die Massen, weil er täglich wieder von vorn anfängt, während der Redner nur zum augenblicklichen Entschluß, zur That des Momentes hinreißt. Diese Gewalt bleibt freilich noch immer groß genug, wie dieö Thiers erst unlängst bewiesen. Nie mochte wol eine schlechte Sache glänzender vertheidigt worden sei», als das Protectiouösystem von Thiers. Man wurde an die Sophisten Griechenlands erinnert, nur leider war Sainte Beuve nicht Sokratcs. Nnr ein Franzose nnd nur Thiers ist im Stande, einen so abstractcn Gegenstand als angenehme Plauderei zu behandeln. Zahlen nnd Thatsachen gcberdetcn sich unter seinem Worte wie Wachs, ans dem sich Alles bilden läßt, Blumen und Thierstücke, Arabesken und phantastische Figuren. Wie das zusmncngestellt ist, und wie die armen Natioualökvnomen mit ihren langjährigen Ersahrungen mitgenom­men worden! Wer hat anch Zeit zn überlegen, ob Alles Gold ist, was glänzt? Wer kaun diesem Geschwader mit glänzendem Küraß nnd Schild etwas anhaben? unser Auge wird geblendet, und wir müssen es schließen und denken an keine Charge. Wenn dann am andern Tage die Journale mit ihren gelehrten Widerlegungen und statistischen Erörterungen kommen, da lacht sich Mephisto Thiers inö Fäustchen; er schaut in den Mvniteur nnd tröstet sich mit der Abstimmung, die ihm Recht gegeben. Der Mann wird jedenfalls ein hohes Altcr erreichen.

Die Revisionsdebatte.

Indem wir den weiter» Bericht unsersBotschafters" abwarten, begnügen wir uns hier mit einigen Bemerkungen. Das Resultat der Abstimmung ist nngcfähr so ausgefallen, wie man es erwartet hat. Nach der Verfassung sind zur Annahme der Revision drei Viertel der Stimmen erforderlich; sie hat noch nicht einmal zwei Drittel für sich gehabt. Unter 724 Stimmenden haben sich iil, für, 278 gegen die Revision entschieden. Anßer den Montagnardö nnd den