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Pariser Botschaften.
2-1. Juni.
Was dos für ein eigenthümliches Volk ist, diese Franzosen! während in jedem andern Lande unter ähnlichen Verhältnissen die Durchsicht der Verfassung alle andern politischen Interessen verschlingen mußte, geht die Agitation in dieser mißlichen Frage kaum über die Schranken der Nationalversammlung hinaus. Alles, was wir sonst im Lande sehen, seieu es nun Petitionen oder anderweitige Kundgebungen, ist künstlich erzeugt von den politischen Parteien, oder durch den Einfluß der Regierung. Eben diese Ruhe des Landes, gegenüber der überreizten Leidenschaftlichkeit der Väter des Vaterlandes, wird das Interesse früher oder später um einen andern Punkt concentriren, und die Bewegung wird beginnen, wenn es Niemand erwarten dürfte, und eine Richtung nehmen, die Niemand erwartet haben würde. Es zeigen sich auch bereits Anzeigen, welche trotz der anscheinenden Zufälligkeit ihres Anftauchens doch tief im innersten Wesen unsrer Zustände wurzeln. Bei eiuem so sehr angegriffenen Organismus, wie das Negierungs- system in Frankreich, kann jedes Symptom eiue lebensgefährliche Bedeutung bekommen. Die Enthüllung des Jonrnalisten Fvrcade, welche die Freunde des Elys^e des schmuzigsten Wandels anklagt, wie er nur seit der colossalen Corrup- tionspolitik Lndwig Philipp's möglich scheint, und die zugleich die iunere Anarchie selbst im Lager der Herrschenden aufdeckt, dürften leicht das folgenreichste Ereigniß für die Entwickelung unsrer zukünftigen Verhältnisse werden. Wir sehen einen der höchsten Beamten in Opposition gegen die Verschwörungen in der Regierung — aus persönlichem Interesse — nud denselben Beamten — wieder aus persönlichen Interessen — deu geheimen Bestrebungen der machthabenden Partei zugethan. Ein Freund des Elysee, ein Volksvertreter, ist angeklagt durch das über jede Einwendung erhabene Zeugniß des vieluuterrichteten Polizeipräfecten, Stellen verkauft zn haben, wie zur besten Zeit Ludwigs XIV. Es läßt sich gleich von vorn herein behaupten, daß solche Thatsachen nicht vereinzelt dastehen können; sie enthüllen ein ganzes System, und wer wagte es zu bestimmen, wo das einmal entmaschte Gewebe der trcuncnden und reißenden Kritik Widerstand zu leisten stark genug seiu wird? Uud iu der That sehcu wir deu in seiner Ehre gekränkten Journalisten die erschrockene Regierung mit Veröffentlichung neuer Dvcumente bedrohen, und diesmal handelt es sich nicht um hohe, sondern um eineu höchsten Beamten. Erwägen wir nun die mannigfachen Interessen der verschiedenen politischen Parteien und deren ehrgeizigen Führer, so wird es wahrscheinlich, daß die im Ausbrausen des ersten Zornes entschlüpfte Drohung ihre Verwirklichung finden muß. Man wird so lange arbeiten und zerren, man wird von so vielen Seiten