Beitrag 
Ein kurzes Vorwort zum neuen Semester.
Seite
1
Einzelbild herunterladen
 

Cin kurzes Vorwort zum neuen Semester.

In der Regel enthalten wir uns aller einleitenden Bemerkungen, da wir der Ansicht sind, daß anch die Principien sich besser in der cvncreten Durcharbeitung des Einzelnen, als in vornehmer doctrinaircr Trennung von demselben darstellen lassen. Von Zeit zu Zeit aber möge man uns gestatteu, die Aufmerksamkeit un­srer Leser auf unsre Gesammtthätigkcit zu lenkcu, uicht um iu Beziehung daraus etwas Neues zu cntwickelu, sondern nur um sie darau zu eriuueru, über dem Einzelnen nicht das Allgemeine zu vergessen. Der Grund, warum wir dies­mal einen solchen Ruhepunkt zu gewiuueu sucheu, ist folgender.

Wir haben einen ziemlich ausgedehuteu Leserkreis gewonnen, der unsern kritischen Bestrebungen mit frcuudlichcr und. aufmerksamer Theilnahme folgt. Ein nicht ge­ringer Theil desselben aber, der sich unsern Urtheilen in Beziehung auf Kunst, Religion, Poesie nnd Aehnliches anschließt, steht in der Politik noch immer auf einem sehr verschiedenen Boden. Es sind gerade unter den gebildetem Anhän­gern der demokratischen Partei so Manche, die es bedauern, in einer der wich­tigsten Lebcusfrageu nns vollständig aufgeben zn müssen, während sie doch im Ucbrigen gerade iu deu Principien uns Beifall schenken. An diese wollen wir nns hier zunächst wendeu, uicht etwa, um sie zu bekehren, sondern nur, nm sie darauf aufmerksam zu machen, daß unsre politische Ansicht genau auf denselben Grundsätzen beruht, wie unsre ästhetische und uusrc religiöse.

Damit wollen wir keineswegs gesagt haben, daß wir allen unsern einzelnen Urtheilen in politischen Dingen dieselbe unbedingte Nichtigkeit zuschreiben wollen, die wir ihnen in dem Augenblicke zuschrcibeu mußten, wo wir sie aussprachen. Wer, wie wir, seine politischen Ueberzeugungen, seine Hoffnungen, Wünsche nnd Ideale nicht ans einer abgeschlossenen, gegen das Concrete uud Wirkliche gleich- giltigen, infalliblen Theorie nimmt, sondern sie aus der unbefangenen Anschauung der wirklichen Zustände und aus der Berechnung der sich in ihnen mit Nothwen­digkeit ergebenden Combinationen herzuleiten sucht, der wird zugestehen müssen, Grenzbotm, UI. >8!U, 1