Beitrag 
Der k. k. Staatsminister Edler v. Thienfeld.
Seite
389
Einzelbild herunterladen
 

389

stitutionellen Staatsgesammtheit zwischen dynastische» und Volksinter­essen die richtige ausgleichende Mitte zu halten hat, und über dem Spezialporte- fenille seine Solidarstellnug zum Ganzen nie vergessen darf. Diese Anffassnng jedoch scheint Herrn v. Thicnfeld nicht klar genug vorzuschweben, er macht mehr den Eindruck eines vormärzlichen Staats- uud Confereuzministers; als cvnstitu- tionellen Minister können wir uns den Mann nicht denken. Während das Mini­sterium den Reichstag zu Kremsicr seit dem 8. Januar beinahe ganz ignorirte, war Herr v. Thicnseld Wochen hindurch der eiuzige Insasse der Ministerbank, welche in ihrer übrigen Verlassenheit als tägliche Mahnung an sein bevorstehendes irdisches Ende, als permanentes mi-mvuto »wi-i dienen mochte. Er saß den Ja­nuar hindurch pro kormil da, ohne sich an den Verhandlungen zu bethätigen, vielleicht nur deshalb, um durch steife Erwiderung der ihm von Vorübergehenden gemachten Begrüßungen, dem Reichstage die Ungnade des Ministeriums verkör­pert iu Erinnerung zu bringen. Im Februar blieb auch Herr v. Thicnfeld aus, der Reichstag debattirte fortan en t'iunillo, noch immer nicht merkend, daß das Wrack, auf dem er trieb, Planke um Plante verlor, um plötzlich von der gähnen­den See verschlungen zn werden. Herrn o. Thienfeld grollt darum Niemand. Wir sind überzeugt, dieser Maun wird mit jedem politischen Winde segeln, rück­wärts wie vorwärts. Aendert sich hente das System, was wir nicht erwarten, ja nicht in denkbare Aussicht stellen, so wird Herr v. Thienfeld im Minisierrathe mit der Majorität des geänderten Systems eben so bereitwillig stimmen, wie er hente mit dem waltenden Systeme stimmt. Unter jedem Systeme mnß geackert, unter jedcm, besonders aber unter dem heutigen, mnß Bergbau getrieben werden, darum blebe Herr v. Thienfeld Minister so lange er mag, wir gönnen ihm die Freude, tühtige Unterstaatssekretäre mögen das übrige thu». Immerhin aber hätten wir?s für ein Glück gehalten, hätte mau statt Herrn v. Thienfcld's eine tüchtige FaäMtorität in das Ministerium berufen. AI.

Gin Blick a»»f Algerien.

Noch ist eS nicht überall so weit gekommen, daß in dem Dunkel der Kabi­nette die Fädei gesponnen werden zu dem Gewebe, auf welches die Geschichte der Völker sich schreibt; nicht allenthalben ist die Volkspolitik verdrängt durch die Politik der Kabinette. Aber auf den wenigen Oasen, wo das Volk selbst seine Politik maht, übt es sie nicht als einen Nest der Märzerruugcnschasten, es ist dorthin wahrsheinlich nicht einmal die Kunde gedrungen von unsrer glorreichen