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Reisetagebuch aus dem östreichischen Oberland.
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ihn geschaffen. Er blieb nicht bei leeren Anspielungen, sondern deutete auf das räudige Schaf, welches, vom Hochmuthstenfel verblendet, sich seiner Geschwister und Elteru und Voreltern und der ganzen Herde schäme, in der es aufgewachsen. Marie wurde ohnmächtig aus der Kirche getragen, Sterzing rannte nach Haus und schmiß alle Apparate und botanischen Sammlungen des Doctors zum Fenster hinaus. Seme Frau wollte ihn halten nnd meinte: Laß die Leut schwätzen und den Pfarrer heulen, wenn der Doctor sie heiralh'. Was? brüllte er und schlug auf den Tisch; meine Tochter denLanghals!?" Meine Tochter soll ihren Kröpf behalten, so wahr ich Sterzing heiß und ehrlich getauft bin, und einen Mann heirathen, der einen rechtschaffenen Kröpf hat wie ich und mein Vater nnd Groß­vater gehabt hat!

Den Doctor hatten indeß, als er von einem Spaziergaug heimkehrte, die Bauerburschen überfallen nnd halb todt gedroschen vor Sterzing's Schwelle liegen lassen. Er mußte eine Woche lang das Bett hüten und der Maler tröstete ihn, indem er bemerkte, es sei besser Arm und Beine zu brechen als das Herz. Letzteres werde wohl gesuud bleiben, wenn er sehe, daß der Hals seiner Patientin sich gar nicht verändert, vielmehr dicker geworden sei. Er als Zeichner müsse das besser erkennen als das Aug' eines Verliebten. Uebrigens habe Marie sich Knall und Fall mit dem kropfeteu Jokel verloben lassen und sei nicht in's Wasser gesp>uu- gen. Um die guten Leute im Thal zu versöhnen, hatte der schlaue Künstler vor der Abreise rasch ein Bild in die Kirche gemalt. Als Marie zur Trauung ging, erkannte sie über dem Altar ihr eigenes Ebenbild und vergoß eine Thräne. Jeder Reisende aber kann seitdem in der Pfarrkirche von Ganderfeldten die heilige Jungfrau mit einem Kröpf abgemalt sehen, und das gläubige Volk betet vor keinem Bilde lieber als vor diesem.

Der k. k. Staatsminister Gdler v. Thienfeld.

Mit Heiterkeit erinnern wir uns des allgemeinen Verwuudcrns, das in den Tagen jenes verhängnißvollen Novembers die nene Ministerliste hervorrief, in wel­cher der Edle Herr von Thienfeld als Minister des Ackerbaues, ja sogar auch des Montanwesens figurirte. Herr von Thienfeld war im Wiener Reichstage im Cen­trum des Centrums gesessen, hatte cinigcmale in schlichter Weise, in östreicdisch- steyerschem Dialekte vom Platze aus gesprochen, niemals albern oder ungeschickt, wie so viele seiner Kollegen im Centrum, aber auch niemals scharfsinnig oder präg­nant, wiewohl die Mundart eben mancher plausiblen Aeußerung die hausbackne

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