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Reisetagebuch aus dem östreichischen Oberland.
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Reisetagebuch ans dem östreichischen Oberland.

3. Am Hallstädter See.

Du Kehnig von Sardinien, Du bist an harter Moann! D?r guadc Kaiser Ferdinand, Was hat er Dir gcthoan?"

So schrie, von ihrem blinden Vater auf der Violine begleitet, die bleichsüch­tige Harfenistin bei Stadler in Hallstadt, während ich und mein Freund, Don Jsidor Amabile, auf dem hölzernen Wirthshansaltan saßen, der über den See hinaushängt, und den letzten Sonnenblick erhäschten, welcher ost schon um 4 Uhr Nachmittags von dieser tiefen Schlucht Abschied nimmt. Die Schatten von Hall­stadt tauchten bis in die Mitte des schwarzgrünen Seespiegcls, dessen Breite ein ungeübtes Auge nur an der winzigen Gestalt einiger mehrstöckigen Gebände am entgegengesetzten Ufer erkennt; auf den Zinnen der steilen Felswand gegenüber lag noch das Abendgold, und rosenroth glühten die einsamen Föhren auf einzel­nen Felssöllern, die nächsten nicht größer von Ansehen als mäßige Christbäum­chen, die ferusten nicht höher als junge Grashalme. Bald kam auch über sie der Schatten und machte sie unsichtbar. Das Zwielicht gleicht hier einer sternlosen Nacht und wir athmeten auf, als endlich die Mondsichel auf dem Hintergrund des Sees zitterte. Mitten durch die Gestirne fuhren dann, zuweilen ein Dntzend Welt­körper auf einen Augenblick in Grund bohrend, heimkehrende Salinenarbeiter in weißen Nachen; einige, mit Laternen an Bord gliche«, nach zwanzig Ruderschläger, kleinen Leuchtkäfern, und zogen jedes zwei lauge auseinanderstrahlende Wasserfur­chen, silbernen Fühlfäden ähnlich, durch die Fluth.

Wenn ein Schwärmer, der eine neue Religion sucht, in's Alpenland stiege, so könnte er auf den Gedanken kommen, das Wasser, wie der Parse das Feuer, anzubeten. Gelehrte Theologen streiten darüber, ob Mosis Eden auf Ceylon lag oder auf Haiti; gewiß ist jedenfalls, daß die ersten Menschen ans der Alm er­schaffen wurden. Eva war iu der schöuen jungfräulichen Zeit der ersten Liebe eine jodelnde Sennerin; erst als sie mit Adam in den sorgenvollen Ehestand trat, mußten beide in'ö Flachland niedersteigen, wo bald darauf Kain, der trotzige Bauer, zu ackern anfing und Urvater der Civilisation "wurde. Ein Paradieses-Abglanz ruht aber noch auf allen Hoch- und Alpenlanden. Blnme, Wald, Gestein und Thier der Niederung sind nur eine gröbere, dnft- uud würzelosere Nachbildung der Alpenschöpfung. Im Hochland findet sich alle Natnr noch in ihrer ursprüng­lichen, idealeren Art. Die Schönheit des Paradieses offenbart sich aber vorzugs­weise iu dem klaren, klangvollen Lustreich, in den Wassern und ihrem Spiel mit

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