Contribution 
Schlesische Zustände im Jahr 1848.
Page
467
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

467

erklärt sie nicht weiter auszudehnen. Kurz der Feind scheint besiegt, wenigstens hat er das Schlachtfeld geräumt, vernichtet ist er nicht!

Die Zeitungen, und vor Allem die Schlefische, erzählen uns viel von einem gänzlichen Umschwünge der öffentlichen Meinung, der wir die wiedergewonnene Ruhe, die Zuversicht auf deren Fortdauer verdanke» sollen. Das Volk soll zn einer klareren Anschauung seiner Zustände gelangt sein. Wir glauben daran nicht! Wir wollen uicht behaupte«, daß es in der langen trüben Zeit gar nichts gelernt haben sollte, aber es ist gewiß reckt wenig gewesen. Das Volk im engern Sinne, d. h. der weniger gebildete, der ärmere Theil desselben, hat an den politischen Bestre­bungen seiner Parteiführer nie großen Antheil genommen. Die deutsche Frage, die Verwandlung der absoluten Monarchie in eine eonstitutionelle, ja selbst der Begriff der Volkssouveränität haben in diesen Kreisen nie Boden gewonnen nur das Bewußtsein so mancher schwachen Seite der Verwaltung ist bis in die untersten Schichten des Volkes gedrungen.Der König ist gnt, er will nicht haben, daß wir gedrückt werden, aber er erfährt nicht wie es uns geht, er wird von seinen Umgebungen hintergangen!" Diese und ähnliche Aeußerungen hörten wir oft in der ärgsten Zeit, die Anhänglichkeit an die Person des Königs, verleugnet der Schlesier nur selten! Er hat aber gesehen, daß bereits zwei Dcputirtenver- scimmlungen seinen noch immer unbehaglichen Znstand nicht verbessert haben, er hat daher wenig Vertrauen zu der dritten. Daß seine Wahlen nicht immer glück­liche waren, fühlt er wohl, aber wie soll er es ansaugen, um sich besserer zu ver­sichern? Kennt er die Leute, denen er seine Stimme gibt? selten! Er wird daher immer Wahlagitationen zugänglich sein, und dies Gefühl verleitet ihm das ganze Wahlgcschäst. Ja käme der aller absoluteste König mit einigen Gesetzen in der Hand, etwa wie Steuerbefreiung des Bauernstandes, Landvertheilung an alle die- ieuigen, welche keins haben, freie Zehrung für diejenigen, die nicht arbeiten mögen, Schutz, auch für den aller erbämlichsten Handwerksbetrieb :c. zc., das schlefische Bauernvvlk jagte Republikaner und Demokraten, Eonstitutionelle und Reaktionäre, ja Kammern und Minister znm Lande hinaus und riefe: Es lebe der Absolutismus!

Preußische Briefe.

Einnndzwanzigstcr Vrief.

Die Verhandlungen der beiden Kammern.

Es ist charakteristisch für unsere Kammern, daß die verschiedene» Nuancen in denselben Parteien kann man sie nicht nennen - vorzugsweise darüber mit

59*