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die vielen Sandbänke, welche die flache Küste gefährlich machen, betrieben werden können. Der östliche Küstenstrich des Landes ist znm großen Theil sehr fruchtbar und bildet eine zusammenhängende Reihe entzückender Landschaften. Die Fiorde erstrecken sich tief hinein in's Land, rauschende Buchenwälder säumen ihre grünen Ufer, niedere, reich bewaldete Hügelkette» bilden wundcrschöue, reich bewässerte Wiesenthäler, viele sreundliche Städtchen liegen an der Straße, die armseligen Dörfer erhalten in ihrer lacheudeu Umgebung einen romantischen Anstrich, und jeder Augenblick bietet eine neue Fernsicht auf das blaue Meer mit seinen fernen Inseln und den weißen Segeln, die wie Möven in der Lnft, sich auf seinen Wogen schaukeln. Die herrlichste Gegend Jüllands ist die Umgebung der Stadt Beile, welche man das dänische Paradies zu nennen pflegt. Auch Nanders liegt sehr schön, Wiborg hingegen, die Hauptstadt uud der Sitz des Landtags, nicht.
Hoch im Norden zerreißt der Lymfiord, ein großer Meercöarm, daö Land in vielgcbuchtete Stücke, so daß dessen nördlichste Spitze, die in das Skager Nak hineinragt, eine völlige Insel ist, die nur bei niederem Meeresstaud durch eine Bank mit der Westküste zusammenhängt. Hier ist schon reln scandinavische Landschaft »nd die Erinnerung au die Wikiugerfahrten werden wach, wenn die Springflnlh über die Dämme tobt und die Fischer mit ihren Kvvf'"s mitten in die Gehöfte schleudert, wenn gestrandete Wale und Schiffstrümmcr das Volk zu Beutezügen sammeln. Es muß ein wunderbarer Staudpunkt sein auf dem Cap Skagcnshorn, das als äußerste Spitze Dänemarks hinüber »ach Norwegen deutet; dort muß alle Erhabenheit und jeder Schrecken des Meeres in überraschender Wirkung vvr'ö Auge trete». Uud gefährlich ist der Boden — denn die Zeit wird kommen, in welcher die Springflnlh das nordische Jnseljütland begraben wird mit Land nnd Leuten — kurz oder lang.
Ans M e i n i n g e n.
Sie thun uns Unrecht, ich sage Ihnen, himmelschreiendes Unrecht. Die Grcnzboten Woriren uns." Hassen Sie nns, fürchten Sie uns, verspotten Sie uns, aber erkennen ^'e uns an. Auch wir machen Geschichte. Es ist wahr, es gab eine Zeit, wo wir idyllischer Behaglichkeit alle Freuden des patriarchalischen Regiments genossen. In ^ser Zeit der politischen Unschuld war es ein Ereignis;, wenn Serenissimus einen an- bm? Schnitt der Uniformen vorschrieb, die bei den höchst exclusiveu Hofftstcn getragen Wurden. Wurde aber vollends eine neue Hofdame angestellt, so geriet!) das Land in iberische Aufregung. Mit Politik befaßte» wir uus nicht, außer daß wir die Dienst- Uachrichtcn uuscrs Negierungsvlattcs mit Heißhunger verschlangen. Zwar hatten wir "uch eine Ständcvcrsammlung, aber Niemand bekümmerte sich um dieselbe; sie war '»iiN'sterU'll, kein Mensch sprach von ihr; sie wurde liberal, man ignorirte sie. Erlauen alten Reactionar, eine Thräne im Auge zn zerdrücken, wie Karl Moor « der Erinncrnng an seine schuldlose Kindheit; ich spreche von einer nie wiederkehrenden Zeit. Es kam der März: Bürgcrwehr, Volksversammlung, Katzenmusik, Bauern-