Beitrag 
Das östreichischische Bewußtsein in der Arme und Regierung.
Seite
466
Einzelbild herunterladen
 

466

Slovaken und Serben unversehens, wie mit einem elektrischen Schlage eine Begei­sterung für Mutter Slava erzeuge», die den östreichischen Staat in einem Momente zersetzen würde Wer rettet dann Europa und die Civilisation? Struve oder Nadowitz? Die Verblendung der östreichischen und deutschen Negierungen hat etwas Hochtragisches der Gott der Bibel,der die Weisen bethört und die Könige irre führt," scheint wieder das Heft der menschlichen Angelegenheiten er­griffen zu haben ich glaube die Hand zu sehen, die an die Wände der euro­päischen Königssäle das schreibt aber die Könige können die Schrift nicht lesen. Iuftus.

Plaudereien aus Schlesiens Hauptstadt.

Die das liebe Vaterland in Kreuz und Quer durchschneidenden parallelen eisernen Schlaugen und die auf ihnen dahineilenden Locomotiv-Ungcthüme haben Raum und Zeit so sehr gekürzt, und den Menschen dem Menschen so viel näher gebracht, daß er mit erhöhtem Interesse verfolgt, was die zu Nachbarstädten gewordenen größeren Orte Deutschlands in Freud und Leid bewegt. Wir Brcslaucr lesen gern, was da draußen in Berlin, Dresden, Leipzig u. s. w. vorgeht, nnd betrachten es als eine Erholung, wenn die Nachrichten von daher nicht streng politischer Natur find, sondern auch zur Abwechsluug einmal andere Gegenstände wäre es selbst ein bischen Medisance - behandeln. Da wir nnn auswärts in Betreff unserer Stadt gleiche Ansichten und Gesinnungen wünschen nnd vermuthen, so ist es Ihnen vielleicht nicht unangenehm, meinen Plaudereien einen Augenblick zuzuhören und selbst ein Bischen ci>rnmii»o sc-rn- «luliniso mit in den Kauf zu nehmen. Zur Sache also. Der nvrvns ivrum, oder deutsch gesagt, der Mittelpunkt, um den sich dieser Tage hier alles dreht, ist der Woll­markt. Damit nun scheint Brcslan seit einigen Jahren Unglück zu haben. Vergan­genes Jahr schlechte Preise, fast keine Kauflust und fast zuviel Aufrcguug; diesmal gute Preise, viel Wollwollcnde, mehr nnd mehr Wurzel fassende Abkühlung nnd wach­sender Konservatismus, und die Cholera! Dieser fatale asiatische Gast, der noch unlängst unser Breslan so schwer heimgesucht hat, sängt bereits wieder an, sein Wesen zu treiben, und hat im Laufe vergangener Woche unter 137 dem Herrn Entschlafenen 81 Opfer gefordert. So etwas stimmt trübe. Eiueu uoch peinlicheren Eindruck aber muß es machcu, wcnu man bedenkt, daß unter den vom Schauplatz des Lebens Abge­tretenen fast doppelt so viel Franen sind, als Männer. Was hat unsere arme Stadt verschuldet, daß man sie ihrer schönsten Zierde berauben will, und der Würgengel aus Osten unter denjenigen Ernte hält, die dazu bestimmt sind, das Leben zn verschönern und zu versüßen. Geht es so fort, so wird Breslau bald deu wohlverdienten Rnf exemplarischer Reinlichkeit verlieren; die eben so geschmackvollen als zweckmäßigen langen Kleider, die heute so bübsch Straßen und Promenaden fegen und jcdcu Strohhalm mit­nehmen, werden mehr nnd mehr verschwinden, wenn ihre holden Besitzerinnen dem OrkuS verfallen, und wir haben dann die Unannehmlichkeit, in Staub und Koth zu wate», wenn nicht Jemand auf den glücklichen Gedanken fällt, durch irgcud eiue plausible Finanzoperation es dahin zu bringen, daß zn gehöriger Zeit in hinreichender Menge gegossen und gekehrt wird. Zwaugsanlcihen machen renitent, schon um deswillen, weil sie Zwang sind; deshalb Gnade, Gnade, allerdurchlauchtigste, großmächtigste Cholera! laß uns unsern lieblichen Damenflor und unsere Reinlichkeit.