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Der Belagerungszustand in Prag.
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ich doch eine Sonate von Chopin ruhig einstndiren, ohne daß ich fürchten muß, daß mich ein Slraßenspectakel stört!"

Aber lassen wir diese Glücklichen, deren Seligkeit wir nicht theilen können, und wenden wir uns lieber deu Trauernden zu. Sehen Sie, dort hinten in dem verlassenen Winkel der Kneipe sitzt ein Bruder Studio vor einem Glase Dünnbier, das er noch gar nicht angerührt hat. In seinen Zügen malt sich eine hilflose Wuth, ein elegischer Zorn, eine grimmige Melancholie. Ach, sie haben ihm auf der Hanptwciche seinen Zicgenhainer genommen, well dieser anch unter die politischen Abzeichen" gehören soll; und er war ihm doch so lieb, es standen darin zierlich eingeschnitten alle Namen jener Verbindung, der er angehörte, und rund herum stand der Spruch:Der Gott der Stöcke wachsen ließ, der duldet keine Philister!" - Der arme Junge'. Er ist schon lauge wieder von dem Fo­rum an jenen Pflug zurückgekehrt, den er im März des vorigen Jahres auf dem Felde der Wissenschaften stehen ließ und ackert wieder mit der Ausdauer eines altöstreichischcn Studenten weiter. . . . Und dann muß er anch obendrein in sei­nem Kollegium absolutes Staatsrecht anhören, das der Professor aus seinen vor- märzlichen Schulhefteu, die er noch gar nicht geändert, nach alt hergebrachter Gewohnheit gelassen herunterlieft! Ob sich unser Bruder Studio jetzt an den Schwank ennnert, den er vor mehreren Wochen mit andern lustigen Gesellen an demselben Tische ausgeführt? Da saugen die losenJungen in dem: ,,Kitn«1<Zi»mu8 ixi- tur" den einen Vers:Viv:rr et resnubllc-r" so ungebührlich laut, daß einige Philister in der andern Ecke zusammenfuhren und die Sicherheitswache holen wollten, weil sie glaubten, die Burschen hätten die Republik ausgerufen. Der Scherz war harmlos, aber doch würde er ihn jetzt nicht zu wiederholen wagen, denn eben in diesem Augenblicke geht eine verstärkte Patrouille ganz nahe an den Fen­stern der Kneipe vorbei, damit niemand darin die lateinische Republik ausrufen möchte.

Das östreichische Bewußtsein in der Arme und Regierung.

Wer bei der jetzigen östreichischen Armee einen östreichischen Geist vermuthen wollte, weil diese es unbestreitbar war, die Oestreich bis auf die jüngste Zeit zusammengehalten, würde gewaltig irre«: deu Kitt in der Armee lieferte beim Ausbruche der Märzrevolutivn einzig nnd allein die Aristokratie, und zwar eine doppelte, die ständische sowohl als die des militärischen Ranges; mit der Zer­splitterung Oestreichs würde ja sowohl der Graf-General, wie der General über­haupt aufgehört haben. Die Aristokratie hat daher im vorigen Jahre, als in Oestreich faktisch keine Regierung gab, das Gerippe dieses Staates als ihre Ver­sorgungsanstalt zusammengehalten. Aber mit Stabsoffizieren allein läßt sich keine Revolution bändigen, man mußte sich des Heeres vergewissern. Auf welche Art und Weise konnte dies nnn bei einem Bürgerkriege, wo man die Soldaten immer

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