456
und links am Aermel, die Töchter lehnten sich im Hochgefühl des Triumphes ver- trauungsvvllcr an die Arme der entpuppten Studenten, nur die bösen kleinen Rangen kicherten gar unverschämt, als die Truppe selbst in den einfachsten Elementen des Exercitiums mit den Flinten schlotterte wie Schuljungen mit der Zunge. Der Major commandirte, die Offiziere errötheten, die Korporale stießen rechts und links — vergebens; die Masse konnte erst wieder nach vielem scaudalösen Durcheiuauderreunen in Cvlonnen zum Abmarschircn formirt werden, und auch dazu war manche unsterbliche Nationalgardenscele hinter dem Spalier behilflich, was die Offiziere noch röther und wüthender machte. Endlich ging's vorwärts. - - Die osstciösen Leistungen wußten des andern Tages viel von dem „grenzenlosen, wahrhaft rührenden Jubel" der Bevölkerung zu erzählen, uud daß Gewerbe und Handel nun wieder blühen werden u. s. w. Ich habe nur Eine uugehen- chelte aber höchst unloyale Freude bei den Wienern beobachtet, darüber — daß die Truppen so schlecht exercirten — sich in keiner Beziehung mit der alten Nationalgarde messen können, von der verewigten akademischen Legion gar nicht zu reden. —,—
An die Grenz boten.
Nestroy gibt in einer Posse die Rolle eines 13jährigen Jnngcu. An seinem Geburtstage zieht ihn der Vater auf den Schooß und frägt zärtlich, was sein kindliches Gemüth sich am meisten znm Angebinde wünsche. „Papa! ein Serail!" antwortet der kleine Taugenichts. — Anständige Leute finden dergleichen sehr unanständig, müssen aber nichts desto weniger darüber lachen. Wird man es nicht auch unanständig finden, wenn wir jungen Lentc in dieser bitterbösen Flegelzeit den Wnnsch nach männlichem Humor und granhaariger Philosophie aussprcchen? In gewissen Kreisen — ja. Aber man wird dessen doch froh werden. Darnm Dank für Ihren frenndlichen Rath. Er war gut gcmeiut. Aber Sie irren sich, weuu Sie aus den Stoßseufzern unserer Berichte ans zerschlagene Gemüthszustäiide schließen. Nur Melancholiker und Hypochondristcn schreibe» Lustspiele, um jeden Rückstand von Heiterkeit als beschwerlichen Ballast über Bord zu werfen und dem Haifischracheu des Publikums Arbeit zu verschaffen. Der wahrhaft Heitere gibt von seinem Kapital nicht gerne etwas aus, er läßt es in der Tcnfe seines Herzens zu Zinsen anwnchern. So auch wir. Wir sind mit unserer Heiterkeit die größten Geizhälse geworden; Commnnisten im engen Freundeskreise verschließen wir nusere Schätze dem raubsüchtigen Pöbel.
Glauben Sie nicht au die Verzweiflung unseres Hafis in Berlin. Auf diesen Einen Weisen kommen dort tausend Narren, und da findet seine ernstnmschattete Brille in dem hohlen Wellenschlage der Thorheit die kostbarsten Muscheln, gefüllt mit humoristischen Perlen. Diese behält er für sich, die schmutzigen Scha-