223
womit er zu Werke ging, die grobe Behandlung dieser fluchwürdigen, bis dahin mit aller Finesse ausgeführten Politik litt unter seinen ungeschickten Händen und hatte zur Folge, daß dieselbe zu augenscheinlich zu Tage kam, uud endlich auch von der großen Masse durchblickt und wirkungslos wurde.
Zur Oestreichischen Literatur.
Geschichte der deutschen Nationalliteratur der östreichischen Monarchie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart. Von I. G. Toscanv del Banner. 1r Bd. Wien, Jasper, Hügcl uud Mauz.
Wir wollen auf dieses Werk, dessen nähere Besprechung wir uns vorbehalten, nur vorläufig aufmerksam macheu. Es ist die Frucht vicljähriger Arbeiten, uud hat außer dem wissenschaftlichen Zweck — der sich namentlich in einer sehr ausführlichen Zusammenstellung des vorhandenen literarischcn Materials äußert — auch eine» patriotischen; es soll die Deutscheu Oestreichs auf ihren geistigen Zusammenhang mit dem großen Mutterlands und auf ihre Berechtigung in demselben aufmerksam machen. Eine Tendenz, welche die Grenzboten nur auf das Lebhafteste unterstützen können. So entschieden wir, wenigstens für jetzt, gegen die politische Trennung Deutsch-Oestreichs von seinen Nichtdeutschen Nebenländern und folglich auch gegen seine Einverleibung in den centralistrten deutschen Buudesstaat uns erklären müssen, so eifrig werden wir jedes Mittel ergreifen, das nationale Verständniß mit unsern vorläufig einem andern Staatsverbaude an- gehörigen deutscheu Brüderu aufrecht zu halten.
Zur Charakteristik Heidelbergs.
ii.
Dem Ursprung der deutschen Kaiseridee etwas näher nachzuspüren, dürfte, selbst auf die Gefahr hin, oft Gesagtes dabei noch einmal wiederholen zu müssen, doch wohl in der Gegenwart von so vielem Interesse sein, daß der Leser es übersehen wird, wie dafür der Titel des Aufsatzes nicht so ganz paßt — vbschon in Heidelberg das Brautbett stand, in welchem dieses schwergebvrne Kind in ehrlicher, selbstsuchtsloser Liebe zum Vaterland gezeugt ward. Wir möchten gern sür den
20"