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Frankfurter Decembertage.
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signale zur befreundeten Galerieseite u. s. w. bereits im Uebermaaß angewendet, vom Viceprästdenten Beseler nicht beschwichtigt, dagegen durch einen Blick des herrschgewohnten Auges Gagerns wenigstens einige Male unterbrochen worden waren raste der parlamentarische Orkan los. Venedey stürzte mit klagender Stimme auf die Tribüne, hatte wieder 45 Millionen hinter sich, welche durch jenen Antrag verrathen waren und befahl Uebcrgang zur motivirten Tagesordnung. Moritz Hartmaun suchte in einer durch sein scharfes S. etwas gcnirteu Dithyrambe Hrn. VenHey's Forderung noch zu überbieten, indem er Tagesordnung ohne Motivi- rnng verordnete. Einen Zuhörer ans der Galerie hörte ich diese Forderung er­klären, das heiße: eine Sache unangesehen bei Seite legen, weil man sich geistig zu schwach fühle, sie zu verstehe«. Es war dies jedenfalls nicht persönlich auf Herrn Hartmann gemünzt.

Am Schlüsse jener Sitzuug lagerte tiefe Bestürzung über den Männern, welche eine wirkliche Einheit Deutschlands, ein wirkliches deutsches Reich als höch­stes Ziel ihres Lebens festhalten. Denn daß ein solches nicht zu Staude kommen kann mit Oestreich darüber zweifelt nur, wer weder die Geschichte noch Oestreich selber kennt. Dazu war Gagern vergeudet, nutzlos vergeudet der edelste Deutsche, der Washington unserer Revolution.

In der nächsten Sitzung stimmten sämmtliche Oestreicher und die Ultra- montanen mit der Linken, Süddcutschland gegen Mittel- und Nvrddeutschland, der Katholizismus und katholisch geneigte Protestantismus gegen das lutherische Element. Im pariser Hofe hatte sich der Club der Oestreicher constituirt. Am 21. December reiste Herr v. Schmerling in der Richtung gen Wien, und schon in Leipzig nahm er die Berufung zum östreichischen Bevollmächtigten bei der Centralgewalt in Empfang.

Das war das Weihnachten des großen Revolutionsjahres 1848, welches mau Deutschland in Frankfurt bereitete.

Der Belagerungszustand von Berlin.

So ist es denn ausgeübt, das Recht der rettenden That, die entsetzlichen Gestal­ten sind verschwunden vvn unsern Straßen und ein verwesender Reichscommissar kann dreist eintreten in die Ringmauern Berlins, ohne sich vorher in Potsdam mit Hoff- mannstropscn und Lnu clo ^olo^ne zu versorgen. Die Stadt des Weißbiers hat ihr ganzes sashionables Ansehen wiedergewonnen, die alte Gemüthlichkeit und jener bekannte naseweise, aber harmlose Eckenstehcrwitz sind aufs Neue bei ihren Bürgern eingekehrt und haben die politisirendc Kannengießcrci verdrängt. Eins nur macht mich besorgt: der Tranm eines rothen Republikaners hängt noch immer an den Schaufenstern aus. Ist das bloße Vergeßlichkeit seitens des Oberbefehlshabers in den Marken oder steckt ein diplomatischer Kniff dahinter? will man ihn nochmals als Einschüchterungsmittel be« nutzen? Im übrigen aber ist Alles in der herrlichsten Ordnung; Niemand erwähnt mehr der Schreckenszeitcn der Anarchie, wenigstens nicht ohne sich zu segnen und zu S«njwm. l. i»40. 20