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Aus Berlin.
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tu lit's voulu, Kenr^v vilntlin! Pfuel ein alter ZNilitär, Dönhofs ein alter Diplomat, Eichmann ein Beamter der alten Schule, der unter Umständen auch Pietist wurde, Bonin desselben gleichen ein Ministerium von altem Styl! Wran- gel ist trotz aller ministeriellen Erklärung die Stütze der neuen Regierung. Aber was soll geschehen, wenn die Berliner Bürgcrwehr den skandalösen Entschluß faßt, wie es am N. September geschah, eventuell den Beschluß einer radikalen Minorität aufrecht zu halten! Wo in der Bürgerschaft, dem eigentlichen Grundpfeiler der Ordnung, alle Vernunft und Besinnung aufhört, da entscheidet znlctzt freilich die Gewalt, und wenn man nur zwischen einer Herrschast des Militärs und der Nehbcrgcr die Wahl hat, so wird die Wahl nicht schwer. Hoffen wir vorläufig das Beste; hoffen wir, daß die Männer, welche jetzt an der Spitze stehn, sich aufrichtig zu den neuen Ideen bekehrt haben werden, ohne darum der Sache der Ordnung und des Rechts untren geworden zn sein. Wo nicht, so rufen wir uns zur Ausnahme des alten Kampfes, denn so gründ­lich »r!ir den Radikalismus ^verachten, so wenig-wollen wir darum dem absoluten Regiment in die Arme fallen.

Nedaktionsbemerkttttg.

Die Redaktion erbittet Verzeihung wegen einiger Druckfehler in Heft 38. Durch ein Nevisivnsversehcn ist der Schluß des Artikels: Münchner Zustände nicht ge­strichen worden. Er enthält eine wohlwollende Bemerkung über das Drama des eine» Redakteurs. Natürlich wünscht die Redaktion, daß man ihr Lob aus den Grenzboten herauslese, aber nicht in den Zeilen, sondern dahinter.

In dem Artikel aus Leipzig fehlt aus Seite 500,, Zeile 2? eiu nicht; der Satz wurde dadurch sinnlos. Sein Inhalt war: Darstellung des Gemeinen auf der Bühne vermag nur dann beim Zuschauer Behagen hervorzubringen, wenn das Gemeine als nothwendige Folge eines abgerundeten, geschlossenen Charakters erscheint; wo dies nicht der Fall ist, d. h. wo Dichter oder Schauspieler nicht verstehen, den Rollen Wahr­heit, Konsequenz und inneren Znsammenhang zn geben, wird das Gemeine als Ge­meinheit sühlbar, und der Zuschauer empfindet das'Niedrige, als durch die Kunst nicht bewältigt, als roh. Bei unseren Possen ist bekanntlich sehr oft von den Dichtern we­nig für die Charaktere gethan, und der Schauspieler hat in diesem Fall die Aufgabe, da einen Charakter zn schaffen, wo wir bei der Lektüre nur bescheidenen Blödsinn finden.

Herrn Abgeordneten, Professor Baumstark in Berlin betreffend.

Die in Nr. 3t der Grcnzboten enthaltene Schilderung und Schmähung des Professor Baumstark müssen wir Bürger und Wähler derStadt Greifswald als eine durchaus unwür­dige ansehen. Der Charakter des Herrn Baumstark ist uns als zu ehrenhaft und redlich be­kannt, als daß wir in dem entworfenen Bilde denselben wieder zu erkennen vermöchten. Wir glauben demselben, abgesehen von allen politischen Meinungsverschiedenheiten, diese Ehren­erklärung schuldig zu sein. - Folgen 78 Unterschriften.

Anm. der Red. Es versteht sich wohl von selbst, daß in der obigen Erklärung nichts weiter liegen kann, als daß eine Anzahl von Männern mit der Ansicht unsers Berliner Cor- respondentcn über Herrn Baumstark nicht übereinstimmt, was sich ohnehin erwarten ließ, da sie denselben sonst nicht zu ihrem Bevollmächtigten würden gemacht haben. Die Redaction hat über Herrn Baumstark, der ihr ganz unbekannt ist, kein Urtheil, sie kennt nur ihren Kor­respondenten als einen unbefangenen Mann, der in keiner Weise von einem Parteistandpunkt, sondern von objectiver Anschauung ausgeht/ Im Ucbrigcn erkennen wir die Berechtigung jener 78 Männer, ihrem Freunde ein günstiges Zeugniß auszustellen, vollkommen an, können aber die Bemerkung nicht unterdrücken^ daß sich öffentliche Charaktere in unserer Zeit darauf gefaßt machen müssen, tüchtig gezaust zu werden. Die idyllische Verborgenheit der alten Tage, das Arkadien des Privatlebens kehrt nicht wieder.

Verlag von F. L. Hcrbig. Redacteure: Gnstav Frcytag und Julia» Schmidt.

Druck von Friedrich Andrä.