203
Aus Paris.
Denken Sie sich einen Nostmdcnnus, der im März oder April 1848 also gesprochen hätte: Merket ans, Pariser, und feiert nicht so viele Verbrüderungsund Jubelfeste, denn ehe die Hundstage kommen, werden Blntströme eure Straßen überschwemmen und die Fratcruitv wird zum Losungswort der Mordbrenner geworden sein. In den Hundstagen werden die ersten Februarhelden nebst 10,000 Barrikadenbauern in den Bastillen, die euch Louis Philipp hinterließ, gefangen sitzen, im Namen der französischen Republik wird man Clnbs aufheben und Zeitungen unterdrücken; der kleine Graukopf aber, Thiers mit der schrillen Stimme und dem feinen Lächeln, Thiers ist wieder mächtig auf der Tribune, das republikanische Parlament fängt seine Worte wie Perlen auf und faßt seine Lehren in Gold. Dieses Alles nud mehr noch wird sich im glorreichen Sommer 1848 erfüllen. . . Hier hätte solch ein Prophet den Rath bekommen, nach Bicötre zu gehen, in Wie» »ud Berlin würde er für einen Verräther an der Menschheit, für einen brüllenden Reaktionär erklärt worden sein. Vor dem 15. Mai war der Optimismus so unwiderstehlich, daß selbst das Journal des Dvbats sich Zeit nahm, einen Sei' tenblick über den Canal zu werfen, und mit Zuversicht nachwies, wie die ,,ivvi,Iu- tion sociitlv «jiii voiuut ll'ötrv ilcne-vvv en li'liuicv, «ans coutse unv seule Fmitte <lö Simz' (!)" nächstens das perfide Albion ergreifen und in die Luft sprengen müsse. Auch sollte nicht ein terroristischer Tropfen mehr im Blut des Pariser Volkes sein. Der 15. Mai und der 24. Juni belehrten uns eines Andern und es scheint mir sogar lächerlich, die glückliche Unterdrückung des Jnuiaufstau- des als einen glänzenden Beweis von der Lebenskräftigkeit der französischen Republik anzuführen. „Nur die Republik," so lautet diese selbstgefällige Argumentation, welche auch ein Gemeinplatz in der deutschen Presse geworden ist, „nur die Republik war im Staude, eine Empörung, wie die letzte *), zu besiegen. Wenn die Monarchie Louis Philipp's oder eine andere in denselben Fall gekommen wäre, so hätte sie ohne Gnade und Barmherzigkeit erliegen müssen...." Ich glaube dagegen zur Ehre der Menschheit, daß ein Angriff aus die Gesellschaft auch in England, in Belgien uud Deutschland einigen Widerstand finden dürfte. Oder heißt es nicht sich mit Gewalt die Augen zuhalten, wenn man den Juniaufstand einen Kampf gegen die republikanische Staatssorm nennen will? Standen die eingefleischteren Republikaner vor oder hinter den Barrikaden? Ich erlaube mir sogar, auf die Wenn-Philosophie eingehend, zu behaupten, daß die Junihelden, selbst unter Louis Philipp, aufs Haupt geschlagen worden wären. Der Name
*) Welche, beiläufig gesagt, ein legitimes Kinb dieser Republik war.