Preußens Stellung zu Frankfurt.
Ein Sendschreiben an den preußischen Minister Herrn Hansemann.
Ihre Verwaltung der preußischen Finanzen hat wesentlich dazu geholfen, den deutschen Börsen Haltung, dem industriellen Leben Muth zn geben. Wenn ich deshalb Ihren Namen einigen Bemerkungen vorsetze, welche nicht vorzugsweise die Thätigkeit Ihres Ministeriums angehen, so ersuche ich Sie darin eiuen Beweis persönlicher Achtung zu finden.
Das Wichtigste, womit sich das preußische Staatsministerium gegenwärtig beschäftigt, ist die Frage: welche Stellung Preußen den Beschlüssen der Paulskirche gegenüber in seinem und dem deutschen Interesse einzunehmen hat. Wenn Sie diese Zeilen lesen, werden Sie wahrscheinlich über Einzelnes bereits entschieden haben. Möge der Weg, welchen'Sie einschlagen, Ihnen und Preußen zum Heil gereichen.
Von der staatlichen Concentration, welchen der Enthusiasmus des deutschen Volkes zu Frankfurt Schiebt, wird leider vorläufig Oestreich sich ausschließen*)'. In der That ist nicht abzusehen, wie nach den jüngsten Ereignissen der Kaiserstaat anders als durch gänzliche Auflösuug zu festem Verband mit den übrigen Deutschen gelangen soll. Der Versuch, höchst verschiedene Bestandtheile in den Formen eonstitutioneller Einheit zu binden, wird allerdings scheitern. Wohl ist möglich, daß eine Konstitution für den Augenblick Gallizier, Dalmatier, Böhmen, Tiroler und Wiener unter einen Hnt bringt, wenn aber die Negierung des Kaiserstaates dadurch, wie 'sie zu hoffen scheint, die Leidenschaften und Forderungen der einzelnen > Stämme, welche diametral anseinander laufen, versöhnen will, so ist'sie in einem verhäugnißvollen Irrthum; und wenn das frische Selbstgefühl der Oestrcicher den übrigen Deutschen die Fähigkeit absprechen möchte, die verzweifelte Lage ihres Staats Zu beurtheilen, so ist auch das eine gefährliche Täuschung und ein Bewejs dafür,
selbst bei einem edlen und hochherzigen Volke Selbstvertrauen nicht immer mit richtiger Einsicht verbunden ist. Die besten Folgen der bisherigen Schritte der östreichischen Regierung werden die sein, daß ein Aufschub der staatlichen Krisis
*) Wir müssen bei diesem Sendschreiben des verehrten Einsenders dieselbe Bemerkung machen, die wir seinem Schreiben an Pillersdorf hinzuzufügen uns veranlaßt fanden. Das Aufgchn Oestreichs in Deutschland ist eine moralische Nothwendigkeit, die durch die sehr großen, unverkennbaren Schwierigkeiten nicht aufgehoben wird. Die Red.
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