Aus dem Tagebuch eines Freiwilligen
im Ranzau'schen Freicorps.
Rendsburg, den 2Z. März.
„Die Zeiten von 1813 kehren wieder" sagte mir heute Freude strahlend ein alter Kämpfer aus den Freiheitskriegen, als er dies begeisterte kriegerische Leben sah. Wer diese Stadt früher gekannt hat, erkennt sie kaum wieder. Ueberall ist ein solcher Zusammenfluß von Menschen, eine geschäftige Thätigkeit für die Kriegsrüstungen jeglicher Art; hier eqnipirt sich die eingekommene Mannschaft eines Bataillons auf offener Straße, wo alle Requisiten aufgestapelt liegen, dort werden die Packwagen ausgerüstet, nm den bereits ausgerückten Truppen nachgesendet zu werden, dann werden überall Kanonen durch die Straßen transpvrtirt, nm die Festung zu armiren. An den öffentlichen Orten findet man eine Menge der verschiedensten Leute, die mit Lebhaftigkeit die Tagesfragcn debattiren und man kaun hier zu gewissen Zeiten des Tages Alles finden, was das Land irgend an Notabilitäten aufzuweisen hat, da Alle Hieher geeilt sind, nm ihre Dienste dem Vaterlande anzubieten.
Den 31. März.
Hcnte rückte das erste Freicorps 400 Mann stark aus nach Normen. Das zweite Freicorps, in das ich eingetreten bin, vermehrt sich stark; gestern nur noch :;y Mann stark, ist es heute schon bis auf300 gestiegen und wird, sobald es erst 500 Mann hat, gleich ebenfalls ausrücken, vielleicht schon übermorgen. Bei der Organisation stellt sich ein großer Mißstand durch den gänzlichen Mangel an gedienten Offizieren heraus, da von den regulären Truppen uns keine abgegeben werden können. Denn die meisten früheren Offiziere der schleswig - holsteinischen Bataillone waren entweder gebvrne Dänen oder schon im Kadettenhause so mit Dänenthum inficirt, daß sie sich jetzt von diesem nicht lossagen konnten, sondern Flucht oder Gefangenschaft dem Kampfe für die Sache ihres Volks vorzogen. So ist es gekommen, daß z. B. das eine starke Kavallerieregiment von den drei jüngsten Lieutenants hergeführt wurde, ganze Batterien Artillerie ohne Offiziere unter Kommando eines Oberfeuerwerkers ausgezogen sind. Wenn uns da Deutschland nicht bald mit geübten Offizieren zu Hilfe kommt, erwarte ich für den ersten Zusammenstoß mit dem Feinde nicht viel Gutes, namentlich da die Disciplin der Truppen, deren bei weitem größere Zahl seit Jahren nicht mehr unter der Fahne war, nicht sehr lobenswert!) scheint. Wenn ich früher eifrig einstimmte bei dem Rufe nach Volksbewaffnung mit Selbstwahl der
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