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Offene Briefe I : an Julius Fröbel in Berlin.
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Offene Briefe.

^'-U'U, , , An Julius Fröbel in Berlin.

Verehrter Freund!

Unser gemeinschaftlicher Freund, Arnold Rüge, pflegt zu behaupten, daß, wv die Prinzipien sich trenuen, auch die Herzen sich trenuen müssen, mit andern Worten, daß man einander Feind werden muß, wenn man in den Ansichten cm§- einandergcht, und er pflegt in solchen Fällen mit einem fulminanten Fehdebrief M denVerräther" bei der Hand zu sein.

Das ist nun meine Meinung keineswegs; ich glaube, daß man in sehr we­sentlichen Fragen sich entzweien kann, ohne die gegenseitige Achtung zu verlieren. Selbst in Zeiten ernsthaften Kampfes ist das möglich. Aber allerdings hat die Sache ihre Grenze. Es steht im Homer anmuthig genug aus, wenn zwei Helden den Kampf der männermordenden Zwietracht auskämpfen und dann in Freundschaft auseinandergehen, aber damals trieb man dergleichen Balgereien zu seinem Ver­gnügen, und es hätte etwas gefehlt, wenn man sich nicht geschlagen hätte; heute ist es mit solchen Kämpfen ernsthafter. Es gibt Verirrungen der Meinung, die einen bösartige» Charakter haben, die in ihrer weitern Consequenz zu Handluugen führen, die man nicht mehr in leidenschaftloser Objectivität betrachten darf. Sie sind auf einem solchen Wege nnd darum muß ich offen mit Ihnen rechten.

Mir wurde schon bange, als man Sie zur Redaction des neuerrichteten Volks­blattes nach Mannheim berief. Ich kannte die Leidenschaftlichkeit Ihres politischen Idealismus, der an Jntensivität des Ausdrucks ersetzte, was ihm an concretem Inhalt abging. Von den deutschen Verhältnissen hatten Sie nicht den geringsten Begriff, am wenigsten von den norddeutschen. Es kam, wie ich erwartet hatte; im Anfang strebte die Zeitnng noch nach idealen Bildern von Republik oder der­gleichen, sie nahm ein vornehmeres Air an, als die Mannheimer Abendzeitung. Aber es zeigte sich bald, daß der stofflose Idealismus sich nur in erbitterter Kritik Luft mache» kann. Das Volksblan wurde eiu Arsenal für Angrisse der wunderlichsten Art auf alles Bestehende. Ost genug waren es Verdrehungen oder geradezu Lügen, denn Sie hatten keine Kenntniß der wirklichen Zustände und nahmen im besten Glauben Alles für wahr an, was Tyrannenhaß athmete. Nament­lich Preußen kam schlecht weg, vielleicht weil ihr Mitrcdacteur, Herr Pelz, früher iu Preußen über häßliche Vexatione» zu klage» hatte. Indessen stach die Haltung des Blattes gegen den sansculottischen Ton, den ziemlich die ganze süddeutsche

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