T a g e b u ch.
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Der Jesuit der Komödie.
Seit Pascal's Proviucialcn sing man an, alle Greuclthaten, die in der Welt vorkamen, dem Orden des heiligen Jgnatius in die Schuhe zn schieben, und seit Pombal's energischem Auftreten gegen den Orden wurde diese Furcht der Völker von Oben her lcgitimirt. Die Berliner Aufklärer waren, besonders seit der Aushebung des Ordens, ihrer Jcsuiteuricchcrci wegen berüchtigt, sie hatten eine wahre Virtuosität darin, die Metamorphosen des Jcsnitisinus an den scheinbar unschuldigsten Erscheinungen aufzuspüren. Wenn einmal ein Haus einfiel, so war es jedenfalls von den Loyolitcn unterminirt; wenn eine Primadonna falsch sang, so hatte ihr ein ehrwürdiger Vater Gott weiß womit die Kehle cingcschmiert.
Später, in den Zeiten, wo es zum guten Ton gehörte, wieder etwas gläubig zu werden, hat man über diese panische Furcht gelacht, man hat gefunden, daß die Jesuiten eigentlich sehr religiös waren nnd auch sonst viele gute Seiten hatten. Man hat im Gegentheil angefangen, allen Flnch der Geschichte auf Voltaire nnd die Ency- clopädisten zu laden, oder wenn man einen romantischen Anstrich haben wollte, auf die Jllnminatcn, die Jesuiten des Liberalismus, Der Exjesuit Barrnel hat in einem ziemlich volumiuöscu Werk zu beweisen gesucht, daß die französische Revolution sammt ihrem Königsmord nnd ihren Blutgerüsten ein Werk der deutschen Freimaurer sei.
Das Jahr 1,8l4, das so m.nchen alten legitimen Unrath wieder hervvrsuchte, hat deuu auch dieses Bollwerk der Kirche, den Jesuiteuorden restaurirt. Schon damals begann, namentlich in Frankreich, von Seiten des Liberalismus in Versen nnd in Prosa eine heftige Reaction dagegen. In nnsern Tagen sind die frommen Väter das Stichwort eines Bürgerkriegs geworden, uud es hat sich eine wahre Sündfluth von Jesnitcnrvmancn, Jesuitenkomodien, Jesuiteugcschichtcn über das bestürzte Dculsch- land ergossen.
Aber die guten Dichter nnd Geschichtschreiber bekümmerten sich in der Regel nicht sehr nm das concrcte Detail, sie blieben bei der allgemeinen Vorstellung stehen, die höchstens durch stereotype Illustrationen, magere Mönche mit einem Satyiblick, näher charakrerisirt wurden. „Der Zweck heiligt die Mittel!" das war das Positive, ans welches man seine historische oder poetische Anschauung basirte. Mittel also: Dolch, Gift, Meineid u. dergl. Zweck: die Herrschaft der katholischen Kirche, damit ihre Priester Geld, Genüsse, Macht, Einfluß n. dergl. haben konnten- Unter der heiligen Kaputze lauert der Satyr oder der Dämon des Stolzes und der Herrschsucht,
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