T a g e b u c!z.
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Neue Romane.
Ein großer Theil unserer belletristischen Literatur wird gegenwärtig von Damen besorgt und zwar zum Theil von adeligen. Die Frauen werden ihr eignes Herz wohl besser kennen, als man es von den Männern zu erwarten berechtigt ist, und so kann es für die Verbreitung psychologischer Kenntnisse nnr von Nutzen sein, wenn von zwei verschiedenen Seiten in den Schacht der Seele ein Bergwerk angelegt wird. Man hat wohl ein gewisses Vornrtheil gegen die schönen Blaustrümpfe, man findet es noch immer mnveiblich, über das eigne Her; und dessen wechselnde Stimmungen sich vor aller Welt anszulassen, den Busen aufzuknüpfen vor einem vcrehrlichen Publikum. Diese Prüderie wird aber in unserer Zeit, wo man sich allmählig daran gewöhnt, auch das Geheimste an's Licht der Oeffcntlichkeit zu ziehen, Wohl aufhören, und man wird es den schönen Händen Dank wissen, wenn sie ihrerseits das Werk der Freiheit und Gleichheit fördern, sollten sie auch bei der Gelegenheit ihre Finger mit Dinte beflecken.
Hier liegt uns eine ganze Reihe von Fraucnromanen vor, und zwar zum größern Theile aus der Mitte der deutschen Aristokratie. Als die Gefeiertste unter Deutschlands Dichterinnen begrüßen wir zunächst die Verfasserin des I . Werks, die Gräfin Hahn-Hahn.
I. Lew in. Bon Jda Gräfin Hahn-Hahn. 2 Bde. Berlin, 1848. A. Duncker. Selten ist einem Dichter oder einer Dichterin von den Journalisten so arg mitgespielt worden, als unserer guten Gräfin. Man machte es ihr zum Vorwurf, daß sie sich nur mit der „guten Gesellschaft" beschäftige, und für das Volk kein Herz habe, daß sie kein reines Deutsch schreibe, sondern selbst in Augenblicken der Leidenschaft oder einer sonstigen Erregung mit französischen Salonphraseu um sich werfe, endlich daß sie keine andern Charaktere zu zeichnen verliehe, als Mischungen aus Sentimentalität und Blasirtheit. Den Zuhält dieser Vorwürfe kann man zugeben, ohne in die Vorwürfe einzustimmen, denn der Dichter, und vor allem der Romandichter kann doch nichts anders geben, als seine eigne Welt. Die Gräfin kennt keine andere Gesellschaft als die „gute," sie hört in derselben keine andere Sprache, als jenes Gemisch aus allen Zonen, sie lernt in ihr keine andern Wesen kennen, als diese halb Blastrten: was soll sie uns denn andres geben! Im Gegentheil müssen wir Demokraten ihr eigentlich verpflichtet sein, denn es würde uns wahrlich schwer fallen, die Aristokratie mit einer solchen Bitterkeit und zugleich' Sachkenntniß anzugreifen, als es hier ein Mitglied derselben thut, wenigstens würde man uns keinen Glauben schenken. Auch die Nachwelt wird diese Werke noch lesen, denn da es höchst unwahrscheinlich ist, daß dlese Menschcnklasse