Zur Nobotabolitionsfrage in Böhmen.
Die Forderung der Zeit, eine alte Schuld zu zahlen, den Grundbesitz des Unterthans der hemmenden Fessel — der Robot — zu entlassen, wird dringender, wird unabweislich.
Nicht Humanitätsgebote allein mahnen heute an Bollbringung dieses Werkes, es sind Gebote materiellen Bedürfnisses, selbst der Berechtigten, welche die Nobotaufhebung zur Frage des Tages machten. Die Zunahme der Bevölkerung, des Proletariats drängt uns, rasch und ohne Zögern die agrarischen Verhältnisse zeitgemäß zu umstalten, den Kornertrag deS Bodens zu heben.
Das, die Entlassung des Bauers diese» in nächster Generation zum Menschen umbilden, ihm mir der Möglichkeit auch die Lust, die Energie geben wird, sein Feld kräftig und mit Intelligenz zu bestellen, daß auf diesem Wege der Kvrncrtrag des bäuerlichen, wie des obrigkeitlichen Bodens sich verdoppeln, verdreifachen wird, ist unbezweifelt.
Die österreichische Regierung dies begreifend, hat im Jahre 1846 ausgesprochen, sie erkenne das wünschenswerthe der Avoliricn an, es wurde sofort der Vollzug dieses Wunsches der freien Ucbereinkunft der Bethciligten anheimgegeben, und manches Hinderniß gesetzt lich beseitigt, manche Begünstigung solcher Ucbereinkunft gewährt.
Mag jcne Regierungsverordnung an manchem Gebrechen und Mangel leiden, immer ist sie als allmähliger Fortschritt zu begrüßen, und sie berechtigt uns zu hoffen, es werde dieser Maßregel durch rasches directes Eingreifen nachgeholfen werden, wen» sie sich unzureichend, zu träge wirkend erweist.
Viele Erörterungen hat die Abolitionsfrage bei uns schon hervorgerufen, doch erno» sich noch keine Stimme aus dem Volke für dii selbe und ihre Lösung.
Erkennen wir auch das Mitwirken hochgestellter Gutsherren dankbar cm, so ist auch dem Berechtigten jene nöthige Unbefangenheit und Selbstverleugnung ohne Unbilligkcit kaum zuzumuthen, um die Frage ohne selbst unbewußte Parteilichkeit vom Standpunkte des all,- gemeinen Bedürfnisses zu beurtheilen.
Eine rasche gleichzeitige Aufhebung der Robot, durch Emission verzinslicher, in Annuli? täten zu tilgender, von der Landschaft garantirter Ablösungsscheine findet Hindernisse in der Ansicht, es werde die plötzliche Emancipation zu Kalamitäten führen, die Nachfragen nach Zug- und Arbeitskräften sich bis zur Unerschwinglichkcit steigern u. s. w., wie in dem Bedenken der Regierung ihren im Course schwankenden vcrmehrungslustigen Papieren in jenen festen Robotscheinen gefährliche Concurrenz zu bereiten, ein Bedenken, das auch die Gründung der Hypothekenbanken bisher verzögerte.
Das erste Hinderniß, theils illusorisch, theils nur vorübergehender Natur, ist unwichtig im Vergleich zu den Segnungen kräftig plötzlicher Emancipation, doch ist jede Polemik gegm dasselbe unfruchtbar in Rücksicht des zweiten unbesiegbaren Bedenkens, das jeder Einwendung unbedingt Schweigen gebietet, denn die Geldvirhältnissc bedingen heute des Staates Existenz, diese beruht auf Papieren und ihren Coursen, deren Schwankungen sich wohl mit darin begründen, daß wir nur Papier und keine Charte haben.
Müssen wir uns bei solchen Verhältnissen auch mit blos allmSligem EmancipationSprocesse befreundin, so ist doch die von der Regierung in der Verordnung von 1846 gebotene Allm«? ligkeit so trägen Verlaufes, daß eine Beschleunigung des Processes als möglichste Annäherung an die uns versagte Plötzlichkeit wünschenswcrth scheinen muß. Offenbare Ungerechtigkeit liegt wohl nach dem heute Gebotenen darin, wenn Unterthanen einer billigdenkcndcn Obrigkeit gegenüber, deren Zugeständniß die Abolition erleichtert, früher und um billigern Preis zur Freiheit gelangen, als ihre Rachbare», deren Obrigkeit starrer, oder durch beengend?' Verhältnisse gebunden, die Freiheit nur zu hohem Preise verkaufen mag, !S4«. l, ,, N