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Die Frau des Missionärs : aus den Papieren einer Deutschen in London. II.
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Die Frau des Missionärs.

Aus den Papieren einer Deutschen in London.

II.

LoiiisenS Villa, December I«..

Unser italienischer Freund hat Sie also interesstrt? Wie wird sich Ihr In­teresse erst steigern, wenn Sie seine Geschichte kennen werden. Er ist, seitdem ich Ihnen das letzte Mal schrieb, warmer, offener, zutraulicher geworden. An einem jener stillen Abende, die wir in dieser Jahreszeit im innigen Kreise verlebten, hat er die Geschichte seines Lebens wie einen verborgenen Schatz mir geöffnet.

Ich habe oftmals sagte er in Ihren Angen den stummen Tadel ge­lesen, den mein Kaltsinn gegen die kleine Bella bei Ihnen zn verdienen schien; ich war mir bewußt, daß ich dadurch verlor; was mich aber in ihrer guten Meinung retten konnte, war zu peinlich, diese um solchen Preis erkaufen zu wol­len. Darnm schwieg ich, und würde vielleicht stets geschwiegen haben, glaubte ich nicht durch die Enthüllung einer peinlichen Vergangenheit Balsam in Ihre Gegenwart träufeln zu können. Denn alles in dieser Welt ist doch nur par vom- pArilison gut oder böse, schmerzlich oder erfreulich; und das Uebel, das uns noch in jetziger Minute riesengroß erscheint, schrumpft in der nächsten zum Zwerge zusammen, setzen wir es an die Seite eines noch größeren. Ich bin Ihnen vie­len Dank schuldig, meine Gnädige; denn in Ihnen habe ich ein Geschlecht wieder achten gelernt, dem ich ewigen Haß geschworen hatte, und bin dadurch im gewissen Sinne mit der Menschheit wieder versöhnt worden. Sie haben den Fluch eines isolirten Daseins von mir genommen; und wenn nun des Lebens buntes Wechselspiel mich von hier ruft, so darf ich hoffen, daß Sie meinem Andenken oder meinem Unglück auch noch eine Thräne der Theilnahme schenken werden ein seltener Schatz für den Verlassenen und Verbannten.

Ich war der einzige Sohn begüterter Eltern. Aufgewachsen unter den Pa­triziern meiner Vaterstadt Genua, durch keine äußeren Verhältnisse gedrückt und eingeengt, regte sich schon früh ein Geist der Unabhängigkeit in mir, der, als ich heranwuchs, zu feurigem Enthusiasmus für Freiheit und Vaterland erglühte. Ich konnte die Gegenwart nicht mit der Vergangenheit zusammenstellen, ohne vor in-