Kurhesfifche Verhältnisse.
Die neue Wendung der ständischen Angelegenheiten. — Das Ministerium Hass-npflug und seine Nachfolger. — Der
Beamtenstand und dieViclregiererci.— Preßbeschränkungen. — Eingriffe in die standischen Rechte. — Finanzen--
Vmzclne Persönlichkeiten: Nebelthau, Arnold, Wivv-rmann. — Schwäche der Opposition. — Hessischer Schlendrian und daS !>»oivn r6xlmc. — Die „wohlmeinenden" Minister und der beabsichtigte Staatsstreich.
Man erzählt sich in Hessen eine alte Geschichte, wie hessische Bauern im Wirthshaus gesessen und ganz unmäßig auf ihren Landgraf gescholten haben, dem einen dies, dem andern das an ihm nicht recht gewesen ist, und sie an Jeglichem im Lande was auszusetzen gehabt haben. Da habe sich denn ein Fremder, der zufällig dabei gesessen, auch vernehmen lassen, habe geglaubt, er könne auch auf Hessen, seinen Fürst und seine Leute schimpfeil, es dabei aber noch ärger gemacht, wie die ersten. Allein da hätten die Bauern keinen Spaß verstanden , sondern dem Dreinredner einfach bedeutet, wie ihnen ihre Heimath gar nicht mißfalle, und wenn sie an ihrem Landgrafen dies und das getadelt hätten, so gehe das keinem Landstreicher was an nnd kein Fremder habe sich darein zu mischen und darauf zum Schluß bätten sie den Herumhorcher und Mitsprecher ans gut hessisch den nächsten Weg zur Thür heraus gewiesen. Und diese Geschichte möchten die Hessen noch heute gern wahr machen, noch heute ihren Schmerz und ihr Leid für sich behalten und den Fremden gegenüber als ein einiges, glückliches und zufriedenes Volk erscheinen, noch heute geht ihnen ciu Stich durch die Seele, wenn sie des Landes Gebrechen von Fremden entdeckt oder in auswärtigen Blättern besprochen sehen. Allein die Schäden sind größer geworden, die Risse sind nicht mehr zu verdecken.- Noch in den neuesten Tagen drang ein Angstruf für Hessens letzten Schutz durch ganz Dcutschlaud und fand hier ein hundertfaches Echo. Auf Deutschlands Hülfe wird vielleicht Hessen bald zn hoffen haben, wenn, wie mall/! sagt, die Vcrfassnngsfrage vor einem andern Formn, als dem, bei welchem sie jetzt schwebt, entschieden wird. Darnm muß auch Deutschland wissen, wie es bei uns aussieht, muß die Leute kennen, die auf jeder Seite vorkämpfen, die Principien, von denen man hier ausgeht und darüber einigen Aufschluß zn geben, sei trotz dem allen Hessen angeborncn Widerwillen gegen Besprechung hessischer Verbältnisse in nicht hessischen Blättern der Zweck der folgenden Seiten.
Auch ihr Blatt hat neulich auf die Gefahr hingewiesen, die dem Bestände der Verfassung drohte nnd besonders interessante Bemerkungen an diese Eventualität geknüpft. Seitdem ist der erste gefährlichste Angriff, der keineswegs nur in der Einbildung bestand, wie jetzt viele Zeitungen glauben machen möchten, abgeschla-
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