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Die Frau des Missionärs : aus den Papieren einer Deutschen in London. I.
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Die Fran des Missionärs.

Ans den Papieren einer Deutschen in London.

I.

«ouisci»' Villa, Mai l«..

Wir haben unser kleines Eden erreicht; unsere Wohnung ist eingerichtet, nnd ein niedliches Gastzimmer bereit, die Freundin meiner Jugend zn empfangen. Es ist schön hier, sehr schön! Ein kleines Flüßchen schlangelt sich am Fuße lustiger Berge, au dereu AbHange unser Hänschen liegt. Lustige Weingärten umgeben uns von allen Seiten, und versprechen die süßesten Tranben und den herrlichsten Wein, den nur Ihnen bei ihrer Ankunft vorzusetzen gedenken.

Sie haben manches Jahr hindurch denselben.Kerker mit mir getheilt, mit mir geseufzt über das frcndeulose Einerlei meines jungen Lebens, dem Sie kein Licht und keine Färbung geben durften; Sie haben ohne Klage vier lange Stunden neben mir iu dem Park hingewandelt, und nur mich, nie sich selbst bedauert. Das war groß, war schon von Ihnen uud erst jetzt erkenne ich in seinem ganzen Umfange dies Selbstvergessen. Denn was entschädigte Sie dafür? Gold etwa? Ich zweifle, ob die Ausbeute groß war. Und das Bewußtsein, Gntes zn wirken? ach! auch um diese Frendc hatte man Sie ja betrogen! Sie sollten mich erziehen; aber weiß man denn bei uns, was erziehen ist? Die edleren Fähigkeiten wecken nnd ausbilden, den kleinen Menschen durch die Ideale menschlicher Vollkommenheit zn einem großen anstreben lehren? Doch ja nicht! Das heißt jaStnll'! Umr- »eiisö! II'iAliillnvn «vi-nuui i,!»»«!" Nein! Bei nus ist Erziehen, den Menschen in den Vorurtheilen seiner Bäter aufwachsen lassen und ihn znm Sclaven der öf­fentlichen Meinung und des geselligen Lebens ausbilden, nnd das war Ihr Werk, ^ott weiß es, ob Sie sich diesem Geschäfte gerne Hingaben! Aber was half da Wider- wo mau Ihren Platz mir durch eine willigere Hand ausgefüllt hätte, ohne und gewonnen haben würden. Sie hielten geduldig aus,

uh dciM Jhne,l dasÄr. Denn im Lause der Zeit lernte ich Sie lieben, mein .>s",'^ '^loß sich Ihnen auf, erwärmte sich in den Strahlen Ihrer Güte, Ihres -Leifalls, Ih"r Nachsicht, und durch Sie blieb mir doch eine freundliche Enmiernng an den Morgen meines Lebens im Gedächtnisse zurück.