Beitrag 
Der Wendepunkt der Revolution.
Seite
339
Einzelbild herunterladen
 

339

fähige zu schonen und in den neuen Bau aufzunehmen. Da wandten sich ihre eifrigsten Freunde von ihr ab und nun steht ihr kein ausgesprochenes Recht zur Seite, dessen sie gegen ihre ehemaligen Freunde am meisten bedürfte.

Hätte man der Nationalversammlung von Ansang keinen andern Zweck bei­gemessen, als den verfassungsmäßigen Gewalten der deutschen Staaten einen Plan der Einigung zur Genehmigung vorzulegen, hätte sie von vorn herein die Auf­gabe gehabt, dem lebenskräftig Bestehenden möglichst Rechnung zu tragen, so würde man das schwierige aber unendlich dankbare Werk mit wachsender Theil­nahme verfolgt und durch diese Theilnahme jeden Widerstand der Willkür besiegt haben. So glaubte man, die Nationalversammlung würde mit ein paar Strichen Alles abmachen uud Allen Alles recht machen, Jeden von seinen Leiden erlösen, kurz überall Wunder thun. Die Unmöglichkeit, solche ungemessene Forderungen zu befriedigen, mußte aber, da sie einmal gestellt waren, dem Ansehen der Natio­nalversammlung Eintrag thun. Das gleiche Loos traf die neugeschaffene Central- gewalt. Die Trägheit wird immer zornig, wenn ihr die Tauben nicht gebraten in den Mund fliegen. Hier, weil ihr die Blüthen der Revolution nicht ohne sorg­fältige Pflege und Arbeit als fertige Früchte in den Schooß fielen. Dieses Ele­ment der Unzufriedenheit beutete die Konspiration sorgfältig aus. Sie, versuchte den Cclat, als das Schvoßkind des zum ersten Male sich regenden Gemeingefühls der Deutschen, Schleswig-Holstein nicht gleich nach Wunsch behalten werden konnte. Weil Wrangel nicht über den Belt marschirre, da das souveräne Volk doch meinte, er würde zufrieren, und die Eroberung Schleswigs von Europa nicht sogleich an­erkannt wurde, so rief man das Volt wegen solchen Frevels an seinem Willen zur Rache auf» Das Manöver war so confns angelegt, daß es mißlang, und der Abgrund, der sich austhat, so schaudererregend, daß eine berechtigte Reaction ein­trat. Die Centtalgewalt trat der Konspiration und Anarchie energisch entgegen und die Majorität der Nationalversammlung nahm eine feste Stellung gegen die der Anarchie befreundete Minorität ein. Jetzt war Frankfurt ein zurückgebliebenes Dorf. Die Augen derDemokratie" richteten sich auf Berlin und Wien.

Berlin war die servilste Stadt Preußens. Nach dem Straßenkampfe berauschte sich die grenzenlose Eitelkeit in der Vorstellung einer glorreichen Revolution. Ein wilder Pöbel und der schlechteste Radikalismus, der noch existirte, eine widerliche Mischung von greisenhaften Skepticismus, blasirter Frivolität und phantastischen Gelüsten impotenter Schwächlinge, führten das unwürdigste Schauspiel auf, das je in revolutionären Zeiten erhört wurde. Die preußische Nationalversammlung trat zusammen. Sie war zusammengesetzt erstens aus Elcnienten des Berliner Radikalismus; sie arbeiteten mit bewußter Absicht an der Zerstörung Preußens, um abgestumpften Nerven dnrch die Folge einer unauflöslichen Anarchie einen romantischen Kitzel zu gewähren; zweitens aus den Polen, die sich aus abstractem Haß mit den Radikalen verbanden; drittens aus einer Zahl ehrenwerther, sachkun.-