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Offene Briefe. V. : An Arnold Ruge in Berlin.
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Offene Briefe.

v.

An Ärnsld Unge in Berlin.

Vortrefflicher Rüge!

Die Gesellschaft, in der Sie Sich in der letzten Zeit bewegt haben, macht es Ihren ehemaligen Freunden nicht leicht, mit Ihnen in directen Verkehr zn tre­ten, selbst in einem polemischen Briefe. Wenn ein anständiger Manu das Unglück hat, mit dem Cvnditor Karbe, dem Commis Ottensosser, den Rchbergern nnd ihren Spießgesellen in Streit zu gerathen, so wird er eS so viel als möglich ver­tuschen, denn es schadet seiner Reputation. Jetzt sind Sie aber wieder einmal allein auf den Kampfplatz getreten, Sie haben ein neues Manifest erlassen, das hundert und so und so vielste seit Gründung der Jahrbücher, und man kann Ihre Person wieder von Ihrer Partei unterscheiden. Der Name Arnold Rnge weckt Erinnerungen, welche selbst Ihre uenesten Fahrten nicht ganz zu verdrängen im Stande sind.

Ihr nenes Manifest sticht sehr gegen dasjenige ab,^ in welchem Siedie Vernunft der Ereignisse redigirten," um sich der Nation als Kandidaten znm Frankfurter Parlament vorzustellen. Es war brillant geschrieben, wenn man die Ausfälle Ihres naturwüchsigen Gemüths auf Bildung uud Gelehrsamkeit abrechnet. Ich glaubte von Ihnen, Sie würden einst mit König Franz ausrufen können: l'aut Nt-nlli, 8!l»l Iv 8^1«!" Aber der Umgang mit den faden Gesellen in Berlin hat Ihnen geschadet.In dem Augenblick," schreiben Sie an Ihre Bres- laner Wähler,wo ich diesen Brief an Euch richte, donnern die Kanonen in Wien, in diesem Augenblicke ist ganz Berlin in" Feuer und Flammen sollte man denken, aber «ein! iu -Spaunuug!" Was ist das für eine Gradation! Sie, der Sie seit Ihrer Pariser Reise für den eleganten Ausdruck wenigstens eben so schwärmten, als für Humanität und Republik!

Sie sind also in der Politik wieder auf den alten Standpunkt zurückgekehrt, sie lassen dieNationalitätsschnurre" fallen, der Sie ein gntes Semester hindurch Ihre Kräfte gewidmet. Sie übersehen dabei nnr Eines. In der Theorie kann es wohl begegnen, daß man in der Hitze einmal von seinem Prinzip abfällt, daß man sich dann wieder besinnt nnd erklärt, ich habe mich übereilt! Es ist dabei nichts verloren. Die Theorie, die nvstracte Wahrheit ist ewig Eins und unwan­delbar; die Jncorrectheit ihrer Bekenner thut ihr keinen Abbruch. In der Praxis geht das nicht. Die Wirklichkeit ist ein Netz unauslöslicher Beziehungen, haben Sie Sich einmal darin verstrickt, so hilft ein vitter peccavi nichts weiter und keine