T a g e b u ch.
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Portraits aus der Berliner Lloustituante.
9) Hansemann. „Wo es sich um Geldsachen handelt, da hört die Gemüth, lichkeit auf." Während des ganzen vereinigten Landtags ist kaum eine Aeußerung gefallen, welche dem patriarchalischen Familienregimcnte kühner den Fehdehandschuh hinwarf, als diese berühmten Worte Hanscmann's. Sie sind bezeichnend für sein ganzes Wesen: sie geben den Angelpunkt an, um den seine stete Opposition sich drehte — von dem nur er mit geschickter Taktik seine Angrisse gegen das Gouvernement von Gottes Gnaden lenkte. Wenn Beckerath mit Principien socht, wenn Vincke aus dem Rechtsboden fußte, so kam der zähe Hansemann immer wieder ans die Finanzen zurück. Der Enthusiast, der Tory und der Whig standen damals noch um dasselbe Banner geschaart, aber wie verschieden waren die Gründe, die ihren Widerstand hervorgerufen! Wollte der Eine, daß ?as ewige, unveräußerliche Recht der Menschheit wieder zur Geltung komme; der Andere, daß dem geschriebenen Buchstaben Genüge geschehe, so verlangte der reiche Bourgeois zu wissen, was aus seinem Gelde werde. Das Budget ist sein Evangelium, vermag es auch nicht zu begeistern, wie das Bewußtsein der Humanität oder das Andenken an eine lange Reihe glorreicher Ahnen — es ist eine handliche, praktische Waffe gegen das Gefasel vom christlich-germanischen Staate, zumal wenn dieser Staat die Religiosität so weit getrieben, daß er auch in seinen Kassen den Zustand ursprünglicher christlicher Armuth wieder herzustellen versucht hat. Wie mag der Finanzminister erbleicht sein, als Hansemann die Tribüne mit zwei dicken Bänden bestieg, dem Ausgabectat von Frankreich und Belgien, und verächtlich das Zettclchen dagegen hielt, auf dem Preußen seinen Unterthanen Rechenschaft abzulegen gedachte! lind als er gar den heiligen Thile fragte, wie viel Geld denn eigentlich im Staatsschätze sei: wie sauersüß mag da das apokryphische Lächeln gewesen sein, das der Ehrenmann als einzige Antwort ertheilte! —
Hansemanil ist als .Minister derselbe geblieben, der er als Abgeordneter war; selbst in seinem Exterieur und Benehmen hat die hohe Stellung, die er 5 Monate hindurch einnahm, keine Aenderung hervorzubringen vermocht. Nach dem Schlüsse des vereinigten Landtags erkundigte ich mich bei einem Provinzialdepntirtcn nach den Persönlichkeiten der bedeutendsten Redner; der ehrliche Spießbürger wußte mir von Hansemann nur mit unwilligem Kopfschütteln zu melden, er sei immer in langem Ucberzie- her in die Versammlung gekommen und habe beim Reden stets die Hände in die Taschen gesteckt. Dieselbe ruhige Sicherheit, dieselbe verächtliche Nonchalance, mit der er auf das Treiben um sich herabblickt, zeichnet ihn auch noch heute aus. Wie man Wal-