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Vom Reich. VIII.
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Vom Reich.

viii.

Als sich die Nachricht von dem Morde der beiden Frankfurter Deputirten verbreitete, hallte, mit Ausnahme der entschiedensten Schmutzblätter, die gesammte Presse von Einem Schrei der Entrüstung wieber; dje Ermordung Lamberg's, die doch unter viel schlimmeren Umständen stattfand, erregte im Ganzen schon mehr Staunen als Abscheu; der Tod Latour's endlich fand selbst unter einem Theil derjenigen, die sonst nicht lebhaft genug gegen die Wühlereien unserer Linken zu deklamiren wissen, seine eifrigen Vertheidiger. Kommt es doch diesen Männern der Phrase, die von ihrem Standpunkt aus nicht das geringste Recht haben, gegen Robert Blum nnd Konsorten zu Felde zn ziehen, lediglich auf das Stichwort an:Deutsche Einheit! Deutsche Einheit!" Dannt ist es denn abge­than. Daß Einheit eine verschiedene Bedeutung hat, daß man sie auch dann hervorbringt, wenn man Deutschland in einen allgemeinen Schmutzhaufen begräbt, diese ziemlich naheliegende Betrachtung ist unsern abstracten Einheitshelden zu hoch. Daß die östreichischen Verhältnisse, bei der grenzenlosen Verwirrung aller Bestre­bungen nnd Wünsche, bei der vollkommenen Haltungslosigkeit der herrschenden Fraction, zuletzt zu einer Schreckensherrschaft führen müßten, wie wir sie jetzt von beiden Seiten hereinbrechen sehen, konnte man allenfalls voraussehen, aber das menschliche Herz hat das Recht, über die Wirklichkeit auch des Nothwendigen zn schaudern.

Noch ist es möglich, das Verderben wenigstens von Deutschland fern zu hal-, ten, und wir wollen über jene entsetzlichen Ereignisse kein Klagelied anstimmen, wenn sie dazu dienen, unsern Staatskünstlern die Augen zu öffnen. Möchte es bald geschehen, damit das verhängnißvolleZu spät!" nicht auch hier seine Rechte geltend macht! Bis jetzt ist wenig Aussicht dazu; in unserm Parlament herrscht noch immer die unheimliche Stimmung, dem Strauße gleich, das Gesicht zn ver^ stecken, um die Gefahr nicht zu sehn. Man schiebt die ernsthaften Fragen, die über Sein oder Nichtsein entscheiden, mit einer Art humoristischen Gravität einen Tag um den andern hinaus und beschäftigt sich theils mit gegenseitiger Höflich- keitsbezeugung zwischen den beiden Parteien, theils mit der Berathung allgemeiner Rechte, deren praktische Wichtigkeit doch erst der Entscheidung der einzelnen Stände­versammlungen anheimfällt. Die preußische Constituante geht in ihren Debatten über die Grundrechte ungefähr parallel mit der Frankfurter, jede entscheidet nach ihrer Art und keiner fällt es ein, sich um die andere zu kümmern. In der Aus­schreibung per votirten drei Millionen an die einzelnen Staaten hat das Reichs-

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