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Landvolk erschien zahlreich und wogte in den Straßen, theils unbewassnet, theils die Waffen unter den Rocken. Das Militär lagerte vor der Stadt, in derselben war nur die Bürgerwehr. Da erschien Nachmittags jener Jäde, der bereits steckbrieflich verfolgt wurde, mit einer großen Menge neuen Volks im Znge unter Musikbegleitung iu der Stadt, hielt eine Rede an das undankbare Volk, das seine Führer verlasse und über das eine schwere Zeit herauskommen werde. Er wolle sich jetzt in Weimar stellen und das Volk solle ihn begleiten. Es war auf eine schlechte Komödie abgesehen, die aber vereitelt wurde. Das Volk klaschte Bravo und trug ihn ans den Schultern, machte aber keine Anstalt, wie es das richtige Verständniß der Rede erfordert hätte, das Militär zu besiegen, sondern Jade bis an das Gefängniß zn begleiten und sich seines Märtyrthums zu freuen. Kaum aber war der Zug wieder auf dem Wege, als er von einem Detachement Gar- tereiter eingeholt nnd Jäde in das Gefängniß zn Jena abgeliefert wurde. Jetzt steigerte sich die Aufregung unter der Menge einigermaßen. Das Militär rückte in die Stadt und es herrschte einige Stunden Belagerungszustand, d. h. die Straßen waren gesperrt. Spater durste wenigstens Jeder hinaus und so verlies sich das Landvolk. Die Nacht blieb ruhig. Am andern Mvrgen brachten die Gardereiter auch Lafaurie mit seinen zwei Getreuen ein und heute ist das sämmtliche Militär mit den Gefangenen nach Weimar gezogen. Die Bauern sind zu Hause gekommen mit der Neberzeugung, daß der „Larifari" nicht der Mann ist, der's zwingen wird.
So leicht hier die Anarchie niedergehalten wurde, so war das Herbeiziehen fremder Truppen doch nothwendig bei den geringen Militärkräften der Herzogthü- mer und bei dem Schwanken der Bürgerwehr, welches bei einem Theil aus Hinneigung zur Anarchie, bei einem andern aus Unsicherheit der Erkenntniß, bei einem dritten aus Furcht entspringt. Dem Ernst gegenüber ist aber die anarchische Partei in Thüringen trotz ihrer Anhängerschaft auf dem Lande völlig ohnmächtig, wie die letzten Tage znr Genüge gezeigt haben.
Die freie Organisation der Gemeinden.
(Schluß.)
Der Kreis.
Die Gemeinde ist als ideale Einheit ein fester Punkt, auf welchen sich der Einzelne stützt, von welchem aus er die Fäden seiner Thätigkeit, seiner Interessen nach allen Seiten in das Land hin äuszuspinnen sucht, Die Mauern, die Bann-