Die deutsche Demokratie.
Wir haben es erreicht, das eine Ziel unserer Wünsche. Denn schwerlich dürfte sich der Demokratie jetzt noch ein beträchtliches Hinderniß entgegenstellen. Wie steht es aber mit dem andern Theil unserer Wünsche? Die Meisten von nns erstrebten zugleich eine Verbesserung des geistigen und sittlichen Zustandes der Nation, die Belebung uud Verbreitung der Wissenschaft und Kunst, die Ueberwindung des positiven Dogmenglaubens, mit einem Worte die Befreinug der Vernunft. Wie steht es mit diesem Theil unserer Wünsche?
ES ist möglich, daß wir eiuen höhern Maßstab, als billig, anlegen, daß wir von den großen Massen Eigenschaften fordern, die sich von ihueu weder jetzt, noch in Zukunft erwarten lassen. Wenn das sich aber so verhält, ist dann das Prinzip der Demokratie, der VvlkSsonvcränität nicht etwas sehr Problematisches? Zur Sell'stständigkeit gehört zweierlei, die Unbcschränkthcit des Willens und die Veruunftmäßigteit des Willens. Nnr der Vernünftige ist sclbststäudig uud nur diese Sclbstständigkeit ist von Dauer. Denn die Folgen des nuveruüuftigcn Handelns treffen vernichtend auf den Handelnden zurück und rauben ihm seine Selvstständig- keit nach dem Maße seiner Unvernunft.
Unsere cxaltirten Republikaner freilich werden alle Aeußerungen des Volkswillens als solche vernünftig finden. DaS Volk ist ihnen eine Autorität, vor der jede Reflexion, jede individuelle Meinung in den Staub sich beugen mnß. . Zuvor machen sie freilich aus diesem Volk, was ihnen beliebt; dcmu aber ist es die Gottheit, der sich zu widersetzen als Ketzerei gilt.
Wir uun finden in den Aeußerungen des deutschen Volkslebens, so weit wir dasselbe bis jetzt kennen zu lernen Gelegenheit hatten, außer manchem Erfreulichen auch viel Unerfreuliches und Widriges, uud wir scheuen uus um so weniger dies ansznsprechen, da wir andererseits uns eben so entschieden für das Prinzip der Demokratie und für die sofortige Realisation dieses Prinzips erklären nnd wenn die Demokratie auch nur ein kühner und nnglncklicher Versuch bleiben sollte.
Wir erinnern zunächst an das Wnthgcschrei der Süddeutschen gegen Preußeu. Vor allen Dingen hätte hier gefordert werden müssen, daß man die frühere preußische Regierung von dem preußischen Volke trenne; es hätte ferner gefordert werden