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Tagebuch.
Seite
478
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T l! g e b u cl).

i.

'Aamlet in Leipzig.

Wir waren in der letzten Zeit gewohnt, daß in unserm Theater die Zahl der agirenden Personen dem zuschauenden Publikum ziemlich gleich kam. Wir haben so viel selber zu agireu, daß wir uns für das Spiel Anderer nicht wesentlich interessircn kön­nen; wir maskircn uns mit schwarz-roth-goldnen Bändern oder Cocardcn und halten im Vatcrlandsverein oder dem deutschen Verein zeitgemäße Vorträge über die Sclaverei iu den vereinigten Staaten von Nordamerika, über Pauperismus und Proletariat; oder mir schlingen ein blntrotheS Band um unsere Westen, verschwören uns zur Einführung irgend einer Republik und zwitschern wohlgereimte Couplets zum Lob der Guillotine und des seligen Herrn v. Robespierrc; oder wir bauen einen Kutter für die deutsche Flotte, oder wir überlassen uns geradezu den Wogen unseres Gefühls und plaudern in's Blaue hinein von dem Nutzen der Freiheit, der Einigkeit, der Gerechtigkeit und was sonst die menschliche Seele billigenswerthes in sich trägt. Wir lassen, wie Mal- volio, Staatsgcsvrächc von unsern Lippen schallen und legen uns auf ein Sonderlings­betragen. In dem Bewußtsein dieser Beschäftigung, in der wirdun Vaterlandc die große Seele verschwenden," kann uns die Majestät und der Heroismus aus der Bühne nicht imvvniren, wir hegen keine Ehrfurcht mehr vor den Helden der Tragödie, denn wir selber fühle» einige zwanzig Helden in uuserer Faust und wir warten nur aus eine passende Gelegenheit, um,heroisch im Zimmer auf- nnd abgehend," mit Bour- gognino ausrufen zu können:Wir haben einen Tyrannen!" Daran fehlt es nns, Aristogitons sind wir alle, aber wir wissen nicht, wem wir unser Schwert in Myrthen- zwcige vorhalten sollen. Einen Tyrannen! 27 geordnete tricvlore Cocarden sür einen Tyrannen! Denn was hilft es, ein Held zu sein, wenn es an Niesen fehlt, die man lebendig verschlingen kann!

Was helfen nns diese Theater-Tyrannen, diese Theater-Jesuiten, diese Theater - Vergister? Geschickte Lumpenkönige, wir kennen die Maschinerie. Der Leipziger, jeder Zoll ein Deutscher, soll nm Geschicke sich härmen, die im Feenlande der Dichter spielen? Was ist ihm Hekuba, daß er um sie soll weinen? Sein Grimm verlangt eine concre- tere Nahrnng; stellt ihm einen wirklichen Böscwicht, einen Vvlksvcrräther entgegen, nnd gebt Acht, wie der latente Hervismus frei wird!

Aber wenn ihr euch das Herz mit der Heugabel austreibt, bisweilen wird es den­noch zurückkehren. ES kehrte zurück, als Herr Wagner, der Liebling unserer Damen-