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Aus dem Freischaarenleben in Schleswig-Holstein.
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hochgebildeter und verständiger Mann, welchen wir alle liebten nnd verehrten. Im Ganzen standen sechs verschiedene Freicorps im Feld, das Bracklow'sche, die Kieler Turner und Studenten, das v. Krogh'sche, das von der Tann'sche, das Wasmer'sche und das Rantzau'sche. In der dritten Compagnie des letztern stand ich als wobll'estellter Unteroffizier unter der unmittelbaren Führung des Hanpt- manns Aldosser, eines dänischen Artillerieoffiziers. Aldossrr war bekannt als der verwegenste und tapferste Soldat der Armee; weniger zum Feldherrn als vielmehr zum Parteigänger geboren, kannte er dem Feind gegenüber kein anderes Kommando als sein vaterländisches: Als Druff! Hnrrch! Unter seiner Führung haben wir glänzende Waffenthatcn verrichtet und bei Ascheffel, Missunde, Tolk, Gros-Solt und Aroesund den Dänen Respect eingeflößt. Neben Aldosser dienten noch sechs bairische Offiziere in der schleswig-holsteinischen Armee, sämmtlich wackere, höchst ehrenwerthe Männer. Einen derselben, den Lieutenant von Bouteville, haben wir besonders lieb gewonnen. Ein junger bildschöner nnd tapferer Mann, comman- dirte er die Vorhut des linken Flügels, die aus 20 holsteinische» Dragonern be­stand. Mit fünfen derselben auf der Recognoscirung, stieß er eines Tages auf eine Escadron dänischer Dragoner. Ohne Verzug forderte er, die gespannte Pistole in der Hand, dieselbe auf, sich zu ergeben. Der dänische Rittmeister vermochte anfänglich vor Lachen nicht zu antworten, rief aber, nach wiederholter Aufforde­rung, dem bairischen Lieutenant zu: Ich frage Sie jetzt ernstlich, mein Bester, ob Sie Ihre Pistole einstecken und mit Ihren Leuten gutwillig zu uns herüber­kommen wollen? Bouteville antwortete durch einen Schuß cvmmandirte seine fünf Dragoner zum Angriff, und da rechtzeitig jetzt auch der Rest seiner Abthei­lung herangesprengt kam, hielten es die verdutzten Dänen für besser, umzukehren nnd das Weite zn suchen. Leider waren die Hanptführer der Freicorps nicht alle solche unternehmende Leute; namentlich beklagte man sich vielfach über die Unthätigteit und Taktlosigkeit des Grafen Nantzau. Ans diesem Grnnde, welcher verschiedene Mißhelligkeitcn erzeugte, trennte sich auch die dritte Compagnie von der Freischaar des letzteren und bildete von nun an unter Aldosser's Leitung ein eigenes Detachcmeut, welches als fliegendes Corps sehr gute Dienste leistete. Viele der besten Leute ans anderen Sectionen stießen zn uns, nnd es wird wohl keine Freischaar so viele tüchtige nnd gebildete Leute aufzuzählen gehabt haben, wie die unsrige.

So lange die Freischaaren noch auf deutschem Boden, d. h. im südlichen Schleswig agirteu, konnten wir über Aufnahme uud Verpflegung in keiner Hin­sicht klagen. Freilich war es bei dem großen Conflux von Heeresmassen oft nicht anders möglich, als daß Schmalhans Küchenmeister war. Besonders auffallend war uns die löbliche Einfachheit der Küche, die oft wochenlang nns Morgens Brot und Speck, Mittags Speck und Brot und Abends wieder Brot uud Speck brachte. Aber diese ungewohnte Kost würzte der Huugcr trefflich, und es fiel