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Aus Wien.
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hat nur dazu beigetragen, die allgemeine Besorgniß vor einer aristokratischen und ministe­riellen Reaction zu vermehren. Die Verfassungsurkunde wird mit Mißtrauen aufge- nommen und von der Presse mit ziemlicher Heftigkeit beurtheilt. Der Eindruck, welchen man von der Verkündigung derselben erwartet hat, ist keineswegs vorhanden. Man fühlt zu sehr, wie hoch in den Lüften die Realisirung jeder freien Verfassung bei uns noch schwebt, so lange die Ohnmacht und Hinterlist die Regierungszügel in der Hand hMn. Der Lese- und Redeverein für Studenten, welcher eben begründet wurde, ist zur politischen und parlamentarischen Erziehung unserer Jugend bestimmt und wird mit Eifer ins Werk gesetzt. Zu gleicher Zeit entstehen eine Menge anderer Vereine, welche ohne bestimmtes Programm theils die Ruhe und Niederhaltung jeder Bewegung, theils die Debatte ohne bestimmten Inhalt zum Zwecke haben. Die Presse ist noch immer so schwankend, oberflächlich und gehaltlos, daß sich selbst nicht ganz entschiedene Journale, wie die östreichische Zeitung, vorthcilhaft bemerkbar machen. ^

Die Deutschen in Böhmen.

Es gibt aus Erden keine ungetrübte Seligkeit. Wie glücklich wähnen wir nicht in diesen Tagen die Ultraczechen, welche so nahe am Ziel ihrer Wünsche: Die Deut­schen aus dem Lande zu jagen oder zu czechisircn, stehen, und doch fehlt noch viel zu ihrer gänzlichen Befriedigung. Noch ist kein deutsches Kreuzheer in Böhmen einge brochen, und die Deutschen haben bisher den humauen Bestrebungen der Nationalver­sammlung nur einen passiven Widerstand geleistet. Sollte diese Epoche der Wiedcr- erhevung der Czechen, der friedfertigen, wie sie vorzugsweise von ihren Historikern genannt werden, ohne einen Tag wie bei Mieß oder Tachau vorübergehen! Wozu haben sie für Flegel und Morgensterne geschwärmt und die Construction von ZiSka's Wagenburg studirt? Und sollte sich nicht ein Blinder finden lassen, dem die friedliebende czechomanische Partei, welche vor einigen Wochen proclamirte, daß die Czechen und die Deutschen ein Leib find, eben so begeistert folgte, wenn er nur die Virtuosität besäße, die deutschen Schädel einzuschlagen? Noch immer ist zu fürchten, daß es in Böhmen, vielleicht selbst in Prag, dem slavischen Jerusalem, entartete Enkel der Hussiten gib!, welche es vorziehen, den modernen Träumereien von Freiheit und Civilisation zu hul^ digen, selbst auf die Gefahr hin, von den Deutschen, welche vor ihren hussitischen Vä­tern unbezweiselt geflohn, in Schutz genommen zu werden. Es ist unbegreiflich, warum die constitutionelle östreichisch - czechische Partei zögert, ihren Plan, Böhmen von den Deutschen zu reinigen, in's Werk zu setzen? Was hat sie zu besorgen? Die östreichische Regierung würde zwar das unbedingte Todtschlagen getreuer Unterthanen in einer Zeit, wo sie Geld und Soldaten braucht, nicht gerne sehen, aber hindern kann sie es gewiß nicht. Die Deutschen sind in der Minderzahl und verschlafen; sie reiben sich noch die Augen, um zu sehen, was eigentlich um sie vorgeht. Und das Ministerium? Liebäugelt es nicht mit den Slaven auf die aufmunterndste Weise? Hat es uicht den Deutschen angedeutet, sie sollten sich selbst helfen, wenn sie es verständen. Also im Slaventhum, welches vor vier Monaten noch keine offizielle Berechtigung zur Existenz hatte, findet die östreichische Negierung mehr Chancen für ihr Bestehen! Wer wird noch sagen, daß Oestreich keine Revolution gemacht hat?

Wir erwarten, daß die deutsche Deputation aus Prag von ihrer Mission bei dem Wiener Ministerium mit hinreichender Indignation zurückgekehrt ist, um ihren Lcmds-

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