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Die Lage von Böhmen.
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Die Äage von Böhmen.

Prag, den 2». April.

Die Tagesfrage, in welcher sich nun die ganze politische Bewegung in Böhmen concentrirt, bildet der Beitritt Oestreichs zum deutschen Bunde. Sie wird um so hef­tiger debattirt, da sie zugleich eine entscheidend nationale ist und die czechische und deutsche Partei in zwei große Lager getheilt hat. Der erste Conflict, in welchem das Princip der Gleichstellung beider Nationalitäten und die Deutschen den Kürzeren zogen, entstand durch das Tragen der deutschen Cocarde. Das Natioualcomitv, welches be­kanntlich meist aus den czechischen Mitgliedern der Wenzclsbadversammlung besteht, er­kannte das Recht der Deutschen, als freie Bürger ihre Nationalfarbcn zu tragen, an, nahm ihnen jedoch,znr Verhütung von Reibungen," das Versprechen ab, diesem Rechte zu entsagen"). Für diese Demüthigung belohnte man die deutsche Deputation, indem man die Mitglieder derselben in das Nationalcomitv aufnahm. Zu gleicher Zeit jedoch verstärkte sich die czechische Partei durch die Aufnahme von neuen Mitgliedern. Die Forderung, daß Mähren und Schlesien mit Böhmen zu einem Kronlande vereinigt werden sollen, hatte indessen die Dcutschböhmen sowohl in Wien als in Böhmen wach gerufen und die Agitation zu Gunsten der deutschen Sache begann nun in sämmtlichen deutschen Kreisen wirksam zu werden. Die Deputationen von Stadt zn Stadt, so wie die Korrespondenzen mit dem Wiener Verein der Dentschböhmen stärkten das Bewußtsein der Deutschen, so daß endlich auch die in Prag lebenden Deutsche» einzelne Versamm­lungen hielten, aus welchen sich einkonstitutioneller Verein" bildete, der nun von Tag zu Tag an Kraft und Vertrauen im ganzen Lande gewinnt. Bereits haben die aus der deutschen Deputation aufgenommenen Mitglieder des Nativnalcomitvs ihren Austritt erklärt und durch entschiedene Prvtestation begründet. Ich sichre beispielsweise ans dieser Protestation den Umstand an, daß Graf Mathias Thnn einigen Saatzcr Baneru, welche sich Aufklärung über die Nationalfarbcn erbaten, entgcgnctc:daß es der größte Verrath am Vaterlande sei, die deutsche Cocarde zu tragen oder die drei­farbige Fahne aufzustecken." Die Ernennung von Wahlcommissären, welche das Na- ttonalcomitv zur Leitung der Wahlen zum böhmischen Landtage beschloß, so wie die Berathungen über die Beschickung der Frankfurter Versammlung riefen nun in den letzten Tagen die heftigsten Protestationen nicht blos von deutsche» Städten, wie Rei­chenbach, Sacch u. s. f., sondern aus durchaus von Czechcn bewohnten Städten gegen die ganze Wirksamkeit und die Kompetenz dessogenannten Nationalcomites" hervor. Mit Recht wird in denselben die Constituirung des Nativnalcomitvs als Vertretung der gesammten Landcsintcrcssen bcstritten, da in demselben nicht einmal die Prager Bevöl­kerung, geschweige die Landkreise gehörig oder aus freier Wahl rcpräsentnt sind. Auch die Ernennung von Wahlcommissären wird als Bevormundung von Seiten einer nicht antorisirten Behörde, als welche sich das Nationalcomitv gcrirt, bezeichnet.

Noch heftiger erheben sich diese Stimmen in Bezug aus die Frankfurter Parlaments­wahlen. Das Ministerium des Innern hatte die Wahlen sür das deutsche Parlament

') Besaß also das Nationalcvmitu nicht so viel Kraft und Vertrauen im Wolke, um durch sei» Ansehen dabei Reibungen zu verhüte» !