Aus Graz.
Der Magistrat und seine Wirthschaft. — Der fünfzehnte März, — Zwei Petitionen. — Ist kein Cicerua- chio da? — Die Nationalversammlungen im Redoutcnsaal und Graf Wickenlmrg. — Geschrei nach Waffen. — Die Jesuiten in Gefahr. — Der fnnsundzwaiiziaste März. — Ein fchlgcschlagener VerhaftnngS-
plan. — Gelinde Anarchie.
Leider mußten in Graz die so folgenreichen Ereignisse Wiens von einer Aufregung und von Erscheinungen begleitet sein, welche die Freude über das Errungene verbitterten. — Bevormundung nnd Bcamtenallmacht hatten nirgends so traurige Früchte getragen als in Graz. Der von der Regierung ernannte Magistrat in dem in seiner vorigen Abhängigkeit ganz natürlichen Wunsche, höheren Orts gefällig zu sein, nnd von einer ans diesem Wunsche erklärbaren Stadtverschönernngsmanie besessen, ökonomisirte mit den Einkünften der Stadt im modernen Style, d. h. er arbeitete unter der väterlichen Kuratel des Gubcrniums darauf hin, daß die Gemeindeanlagen sich von Jahr zu Jahr vermehrten. Sie stiegen zuletzt auf die Summe von 190,000 Fl., eine Summe, die beinahe zu unerschwinglich war sür eine Stadt mit eirc-t 3000 Häusern, deren Population im großen Durchschnitt wenigstens nicht wohlhabend ist; wo sich außer einer Zucker-Raffinerie kein großartiges Etablissement befindet, wo daher Gelegenheit zu reichlichem Erwerb nicht zu finden ist. Dennoch zeigte sich für das Verwaltungsjahr 1848 ein Defizit von 30,000 Fl. C.-M. Unter den Mitteln, die vorgeschlagen wurden, dem Uebelstande abzuhelfen, ergriff die Hosstelle nnter Verwerfung der in Antrag gebrachten Hund- und Pflastcrsteucr gerade dasjenige, welches wegen seiner Rückwirkung auf die zahlreiche Klasse der Armen die Gemüther am meisten erbittern und voraussichtlich die Unzufriedenheit in den untersten Schichten verbreiten mußte. Es wurde nämlich beliebt eine Miethsteuer pro. 2 Thlr. vom Gülden einzuführen, welche, da Niemand, also auch nicht der Arme, ausgenommen schien, nm so mehr die tiefste Indignation erregen mußte, als der Arme dnrch ein schmähliches Stcmpelpatent nnd durch die Verzchrungssteuer, deren Taris die nnentbchrlichen Lebensmittel viel zu hoch besteuerte, ohnehin auf mehr als unbillige Weise zu den Staats- und Gemeindebedürfnissen beitragen mußte. Die neue Auslage hatte aber auch noch eine gefährlichere Wirkung, denn da die Bewohner durch die Art, wie mit dem Gemeindevermögen gebahrt wurde, auf das Empfindlichste gereizt wurden, so drohten viele ihre Beiträge zum Armen-Verein einzustellen, nnd da dieser bisher die Commune in Versorgung der Armen kräftig unterstützte, so war das Budget der Stadt in der Rubrik: „Armen- betheilung" von einer die früheren Jahre übersteigenden Ausgabe, bedroht. Die Erbitterung stieg von Tag zu Tag, und eine Veröffentlichung des Magistrats, worin nnter Darstellung des Standes der Einkünfte der Stadt und der zn bestreitenden Auslagen die Nothwendigkeit der neuen Auflage nachgewiesen wurde, machte, da sie xost