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Berlins neue Physiognomie. II. :
(24. bis 30. März.)
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Berlins neue Physiognomie.

il.

(24. bis 80. März.)

Sollte es auch noch einmal dahin kommen, daß die schlanken Taillen der Gardelieutenants mit dem Gefolge von dressirlen Bauersöhnen Berlin den alten aristokratischen Anstrich zurückgeben, so wird doch das eigenthümliche Gesicht, das Berlin diese Wochen über annahm, znm Behus der historischen Reminiscenz immer eines Daguerreotyps werth sein. Denn eine wunderbarere Verwandlung läßt sich nicht wohl denken, als sich in den etwas blasirten, aristokratisch fatiguirten Zügen unserer für ihre Größe noch immer jungen Residenz geltend gemacht hat.

Schon einige Stationen vor der Stadt merkt man, daß etwas Außerordent­liches vorgefallen sein muß. Herren von der königl. preuß. Regierung sprechen von der Revolution als einer gloriosen That, und die burschenschaftliche Cocarde ist nicht nur auf ihrem Hut, sondern auch in ihren Zungen. Süße Reminiscenz ver­schrobener Jugendtage! Ich werde dich nicht mehr aufstecken, seitdem du officiell geworden bist. Ein Haufen Soldaten schloß sich unterwegs unserm Zuge an, ein Student mit der deutschen Tricolvre vorau, die Soldaten Arm in Arm mit Civi­listen. Alles in einer Art Rausch, der über der Sympolik der neu errungenen Freiheit den Ernst der Realität vergessen zu habeu schien. Einige Berliner, die von einem kurzen Ausflug zurückkehrten, theilten uns einzelne Züge von der glor­reichen Revolution des 18. März mit. Man hat gegen Strauß und seine An­hänger heftig polemisirt, daß er eine ausführlich aufgeschriebene Geschichte zu einem Mythus habe herabsetzen wollen. Bei Emeuten kehrt sich auch in unserer prosaischen Zeit, die ihre Register für jedes Evenement in Bereitschaft hat, die augenblicklich Stenographen zusammentrommelt, wenn ein Seifensieder oder der Mitarbeiter irgend eines Nvlksblattes sich über den Nutzen der Freiheit, der Tu­gend, der guten Gesinnung vernehmen läßt selbst in unserem gewissenhaften Säculum kehrt sich in Augenblicken, wo die ursprüngliche Poesie der That plötzlich aus dem organischen Naturwuchs der alten, faulen Solidität emporschnellt, eben so die ursprüngliche Poesie dermythenbildenden Substanz" heraus, und es wird einem künftigen Ranke schwer werden, auf osficiellen Urkunden eine diplomatisch