Aus Pr a g.
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Dci> 24. März.
Details über den Sturz der alten Ordnung. — Skizzen ans dem neuen Volks - »nd Stndentcnlctcn. — Vegeistcrnng für den Kaiser. — Graf Dcym. — Einigkeit zwischen Deutsche» und Czeelicn.
Scdlinitzky ist Landes verwiesen — die Spießgesellen Metternichs, Stadthauptmann Muth und Bürgermeister Czapka in Wien, Graf Appouy und Juzaghi aus Ungarn, Bürgermeister Niedl aus Brunn fallen einer nach dem andern wie morsche Ueberreste eines verwitterten Gebäudes, wie hohle Säuleu eines künstlich uud trügerisch aufgeführten Palastes. Gestern gesellte sich zn dem Sturze der Genannten noch der Fall unseres Bürgermeisters Müller, den man noch vor so kurzer Zeit die Bahn zur Met- ternichischen Hofrathshöhe mit gekrümmtem Rücken nach oben und mit Aristokratenhoch- mnth nach unten wandeln sah. Die Bürger Prags sind zusammeubcrufeu, selbstständig, nach eigener Wahl einen Bürgermeister ans ihrer Mitte hervorgehen zu lassen und die Juden sind von aktiver und passiver Wahl nicht ausgeschlossen. Der Geist der Jugend ist erwacht: die Studenten sind aufgestanden und lassen den Ruf nach Lern- rmd Lehr- freihcit crtöueu. Die Professoren, sonst ihre Tyrannen, mischen sich unter sie, setzen Bnrschenkappen auf und suchen jugendlich zu werden. An alleu Straßenecken stehen Weiber und rufen freie Zeitungen ans. Schimpfblätter, Carricatnren und Pamphlete auf das gefallene System wachsen in Massen aus dem Boden — aber man verachtet sie, denn sie erinnern an eine Zeit, die überwunden ist und ein Jahrhundert hinter uns zu liegen scheint. In den Auslagckastcn der Buchhandlungen sieht man die sonst verbotensten Bücher- uud Zeitschriftentitcl und alltäglich tauchen aus eigenem Boden neue auf, die sich sonst aus hundert Meilen nicht der österreichischen Grenze hätten nähern dürfen. In allen Straßen Volksgruppen, in ihrer Mitte begeisterte, jugendliche Redner, die sie mit dem Gehalte der nenen Errungenschaften vertraut zu machen suchen — und es gelingt ihnen, denn die Gruppen gehen mit strahlenden, freudigen Gesichtern auseinander. Die Zuuge ist gelöst — in allen Gast- und Kaffeehäusern wird offen und frei debattirt, in den Gassen klingen Freiheitslieder und böhmische Musikanten vergessen die melancholischen Nationalmclodien uud spielen den Rakozy, die Marseillaise, die Parisienne und neue Lieder, die sich den genannten würdig anreihen. O welch ein neues Leben, welche neue Welt! — Unser ewiger Refrain ist: Wer hätte das noch vor 14 Tagen gedacht! — wer hätte das gedacht! — Ja, noch wunderbarer! — die radikalsten Leute aus der alten Zeit sind gerührt, sind mit einem Male Fcrdinandeisch gesinnt. Unser guter Kaiser — unser guter Kaiser, der beim ersten Schuß gern alle Macht aus den Händen gibt, ein sechshundcrtjährigcs System fallen läßt, um nur nicht sein Volk, seine Landsleute bluten zu sehen. Welche Parallele könnten