Plaudereien aus London.
«ouis Philip» und still- kleine Eorr-soondcnz. — Der Herzog von Montp-nsicr abgereist. — StUssel» Verlegenheiten. — Der Auflauf in Trafalgar-Sqiiarc. — Chartistcnmccting. — Punch. — Gnizot'S Mutter. — Bunsen wird liberal. — Wieder eine Prineeß. — Concerte.
Noch immer ist Louis Philipp das Gespräch des Tages, er selbst aber verhält sich ganz ruhig, besucht dann und wann die Königin, oder empfängt in Claremont den Besuch des hohen Adels; denn diesem ist auch ein gefallener König noch ein himmlischer Staub, mit dem er sich gerne amalgamirt. Der Herzog und die Herzogin von Montpenster sind abgereist, und, wie man sagt, aus einen Wink des „Foreign Office"^), indem die Intriguen, die sie in den Tuilerien angesponnen, ihren Aufenthalt hier nicht länger gestatteten. Aber auch Louis Philipp soll einen kleinen Briefwechsel mit alten Freunden dort führen. Er muß vorsichtig sein, damit ihm kein ähnlicher Wink werde; denn wie freundlich ihn auch Frau Victoria aufgenommen, ist doch die allgemeine Sympathie für das französische Volk, und bis jetzt hat sich noch keine einzige Stimme zn Gunsten der Orleans-Dynastie vernehmen lassen. Jeder Versuch Louis Philipp's auf seinen ungern geräumten Posten wieder zurückzukehren, würde daher ohne Zweifel in England die größte und allgemeinste Mißbilligung finden. Das einzige, was bis jetzt einige Verstimmung in den Engländern erregt hat. ist die Znrück- sendung aller Arbeiter an den Eisenbahnen in Frankreich, eine Maßregel, die man unbillig und auch unpolitisch nennt. Die provisorische Regierung hätte nicht darin nachgeben sollen. Die Nachricht, daß das Hans Rothschild in Paris die Zahlung eingestellt, verursachte eiuen kleinen Schreck; das Gerücht bewies sich aber bald als nngegrnndet. Sollte ein Krieg dort entstehen, oder die Bewegungen der Zeit eine Stockung des Handels herbeiführen, so würde dies für England eine Krisis von nicht berechenbaren Folgen sein; denn bei dem schlechten Stand der Finanzen, bei dem Defizit in Ausgabe und Einnahme, ist es schon jetzt, wo alles ans friedlichem Fuße steht, eine ernste Frage für den Staatsmann, wie er diesen schwierigen Punkt ausgleichen soll. Lord John Rüssel ist sehr leidend, ist ermüdet, abgespannt, und kann kaum mehr sort. Aber wo einen Stellvertreter hernehmen? — England ist in diesem Augenblick arm an großen Staatsmännern. Man will ihm daher für's erste Erleichterung verschaffen, hat ihn zu einer kurzen Erholung an die Meeresküste geschickt und sobald er zurückgekehrt, will man ihn zum Pair von England erheben, wodurch ihm die Hälfte Arbeit erspart wird, weil er dann nicht mehr als Führer des Unterhauses gegenwärtig zu sein braucht; diesen Posten denkt man dem Lord Clarendon zu übertragen. Man redet indessen im Parlamente, ohne es zu einem
*) War ein leeres Gerücht.
D. Red.