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Tagebuch.
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557
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T a g e b u ch.

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Aus Prag.

Da« We«z«l«badtr Bürgercoim«!; Äraf Deym ««» Graf Thu». — Dic Ovpofiti«« des R»,hh»ust«. c«». lichc Belehrung dc« Bürgermeisters. — Bürger »»5 Studenten liewaffuc» sich. — Polizei und Militär außer Wirksamkeit. — Uffv H»r« wird Fahnenträger. — Die Nachrichte» au« Wien und ihre Wirkung. — Bäcker, Brauer und Müller »räche» freiwillige Ee'ncessionen. — 'Allgemeiner Wvlksjudcl.

Sonntag dcil 12. d. M. Nachmittags hatte sich das Comite cim Nathhause im politischen Senate versammelt, constituirt und permanent erklärt. Es wurde der sehr populär gewordene Graf Albert Dcym zum Präsidenten, die Doctoren Trojan und Gabler zu Sccretären ernannt, welche im Verein mit I>. Pinkas mit der Verfassung der Adresse auf Grundlage der WcnzclSbadcr Artikel betraut wurden. Schon diese erste Zusammenkunft zeigte, daß das Comite eine entschieden liberale Richtung genommen hat und jeden servilen Schritt zu vermeiden gesonnen ist. Nach einer stürmischen De­batte trat Graf Franz Thun, der im Wenzclsbad zum Comitesmitglicd von den Bür> gern gewählt wurde, aus, indem er erklärte, daß er als Oppositivnömann der Stände die auf ihn gefallene „und sehr schmcichclhastc Wahl" ablehnen müßte, weil es sonst scheinen könnte, als ginge diese Bewegung der Bürger von der ständischen Opposition aus, und endlich weil er in der Wcnzclsbadcr Versammlung dic Elite der Bürgerschaft vermißte, und es ihm nicht chrcnwcrth (Widerspruch mit seiner frühern Aeußerung) er­scheine, sich mit an die Spitze einer Bewegung zu stellen, die von unbekannten Pcrso- ncn auf ungesetzlichem Wege bewirkt wurde. So ging dic Versammlung auseinander, nachdem sie zuvor dcn Sitzungssaal im Gcwerbsvcrein für den nächsten Dienstag zur Berathung wählte, weil der Bürgermeister sich noch weigerte, dem Comite dcn legalen Boom für scinc Zusammenkünfte zu gestatten.

Am 14 d. M. Sitzung im Gcwerbsvcrein.

Heute wurde die von vi. Pinkas verfaßte beiliegende Adresse verlesen und mit großer Begeisterung und Acclamation aufgenommen, wiewohl Barou Villani in einer langen Rede die Form, und ein VolkStribun in einer kurzen, aber kräftigen Rede die­selbe in dem wesentlichsten Punkte, Robot betreffend, angriff. Während dem hatte sich auf dem Rathhause eiu Schisma gebildet. Der Bürgermeister und dic Repräsentanten der Stadt hatten sich ebenfalls zur Abfassung einer Adresse vereinigt, und ein neues Comite gebildet. Da kam plötzlich die Nachricht: Dic Wiener Bürger mit den Stn- dentcn haben das Zeughaus gestürmt, man habe unter das Volk mit Kartätsche» ge­schossen n. s. w. Ungeheure Aufregung! Der Saal des Gcwcrbvercins füllt sich immer mehr und man liest in jeder Miene die Kampflust, wenn es gelten sollte, dic Rechte des Vaterlandes zu wahren. Da tritt ein Abgeordneter des Bürgermeisters in dcn Saal und äußert dcn Wunsch, das Comite möge sich auf das RathhauS verfügen und sich mit dem ncueu vereinigen. Nein! nein! der Bürgermeister mnß her! erscholl eS im ganzen Saale. Wahrscheinlich von dieser Stimmung benachrichtiget, trat der Bür­germeister in den Saal, hielt eine lange Rede an die Bürger, zeigte ihnen seine Re­signation als AppcllationSrath an nnd sprach: Jetzt bin ich ganz der Ihrige und stolz darauf, heute.in Ihrer Mitte zu sein. Dieser Tag wird aus meinem Gedächtnisse