Beitrag 
Die Grenzboten an die Oesterreicher : Theuere Landsleute und Brüder!
Seite
529
Einzelbild herunterladen
 

Di-e G-VeNAwi-VN mv DeUeVVeöÄMV»

Theuere Landslente und Brüder!

Von dem Hochgefühl und dem seligen Staunen, in welches nns die Nach­richten ans dem Mittelpunkt der Monarchie versetzt und von dem wir uns noch nicht erholt haben, kann sich nur Der unter Ench einen Begriff machen, der, gleich uns, Jahre lang in der Fremde gelebt nnd ein warmes Herz für die Hei­mat!) behalten hat. Wir standen inmitten einer vvllgerciften Civilisation, wir sahen die Entwicklung nationaler Ideen in Deutschland mit sichern und großen Schritten täglich ihrem Ziele näher rücken nnd gewahrten daher ohne Ueberraschung, wie beim ersten Windstoß, der in die schwüle europäische Atmosphäre fuhr, tau­send Knospen auf einmal sprangen nnd die herrlichsten Volksfreiheiten, mündige Presse, Recht der Vereinigung, öffentliche Rechtsprechung nnd allgemeine Volks­wehr rings nm nns im Nu errungen wurden. Nur wir Oesterrcicher blieben im Schatten stehen. Wir konnten nur auf die Zukunft verweisen, wenn unsere deutschen Brüder fragten:Wie steht's bei Ench zu Hause?" Hier draußen spra­chen die Thatsachen, denen wir Nichts oder sehr wenig an die Seite zu stellen hatten; wir mußten uns begnügen, mit heißer Liebe von den nngchobenen Schätzen zn sprechen, die im Schooße unserer urwüchsigen österreichischen Völker einem Tage des LichtS und der Erlösung entgegenharrten.

Und plötzlich bricht er an, rascher uud strahlender, als wir ihn je zn sehen geträumt. Alle unsere Hoffnungen sind mit einem Zauberschlag überflügelt. Wir haben ein Recht, auf unsere Brüder, auf unsere Heimath, auf die jugeubfrischen Völker Oesterreichs stolz zn sein. Jetzt glaubt man nnö, wenn wir rufen, wie wir so vielmals riefen: Ans Oesterreich wird noch ein Frühling kommen! Von dort wird einst sich ein Strom befruchtender Kraft und Herrlichkeit über Deutsch­land ergießen!

Und noch einer persönlichen speciellen Frende dürfen wir nnö bei dein Jnbel über euern Aufschwung überlassen. Wir dürfen uus mit lohnender Genngthuuug sagen, daß auch diese Blätter ihr Scherfleiu beigetragen haben, um das bürger­liche Bewußtsein zu stärken, welches sich plötzlich in Wien, Prag nnd in den Pro-

>«t«. I. Vd. K8