Beitrag 
Tagebuch.
Seite
505
Einzelbild herunterladen
 

T a g e b u eh.

i.

Aus Paris.

Frankreichs Aufgabe und seine Schwächen^ Centralisation. Schutz und Organisation der Arbeit. Volk und Bourgeoisie. Das deutsche Nationalgefühl.

Woö auch geschehen mag, welche Wendung auch die gegenwärtigen Zustände in Frankreich nehmen mögen, vergessen wir nie und nimmer, daß die Franzosen noch ein­mal für die Menschheit zuerst in die Schranken treten, um die vcrhängnißvollste Aus­gabe der Zeit, dieOrganisation der Arbeit" auf die Gefahr hin, bei dem ersten Versuche das schwerste Martyrthum zu erleiden, zu lösen. Die französische Re« volution von 1789 und 179l! war ein ähnlicher Versuch zum Besten der Menschheit, zur Durchführung des Grundsatzes der Volkssouveränität gegenüber den abgelebten und die Welt niederdrückenden Zuständen und Institutionen des Mittelalters. Der Versuch mißlang in vielfacher Beziehung, und Frankreich büßte in ihm sein edelstes Blut, seine schönsten Kräfte ein. Aber wenn Frankreich nicht im Stande war, die thatsäch­liche Durchführung der Volkssouveränität mit allen ihren Folgen zu verwirklichen, so rettete es wenigstens den Grundsatz, und je mehr es selbst dabei' einbüßte, je mehr Opfer der innere und äußere Kampf der ersten Revolution Frankreichs kostete, um so mehr Dank ist ihm die Welt schuldig für das Martyrthum, das es für die ganze Menschheit übernommen hat."

Gegenwärtig ist die französische Nation abermals am Werke. Die Arbeitsfrage ist der Kern der Revolution von 1848. Die Franzosen haben das Verdienst, sie zu­erst offen gestellt zu haben, zuerst zur Lösung derselben in die Schranken getreten zu sein. Gelingt es ihnen, die Lösung zu finden, so ist die Welt ihnen die heiligste und edelste Bürgerkrone schuldig; gelingt es ihnen nicht, sührt diese Frage, wie leider nur zu wahrscheinlich, in Frankreich noch einmal große Vcrwirruugen und Unglück aller Art herbei, so übernimmt die französische Nation noch einmal das Martyrthum sür die ganze Welt, und die ganze Menschheit übernimmt dann ihrerseits die Pflicht, diese Martyrkrone selbst nur um so höher zu achten, je mehr Noth und Elend, Unglück und Mißgeschick in ihr vertreten sind.

Warum wir aber fürchten, daß den Franzosen noch eüi'.ual eber die Martyrpalme als die Bürgerkronc znsallen wird das liegt einfach darin, weil wir glauben, daß die Frage verkehrt gestellt ist, und daß auch die Art der Franzosen nicht gerade die rechte ist, um dergleichen Fragen zu lösen. Wir wollen über beide Behauptungen un­sere Ansicht offen aussprechen, denn es thut Noth, daß Deutschland insbesondere fich

l»«s. i. Nd. <Z5