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Oesterreichs letzte Entscheidungsstunde.
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Oesterreichs letzte Entscheidungsstunde

Für den österreichischen Kaiserstaat, dessen Fortbestehen in ungeschwächter Kraft und Integrität dem übrigen Deutschland nichts weniger als gleichgültig sein kann, hat diese verhängnißvolle Stunde unzweifelhaft geschlagen. Hannibal ist nicht allein vor den Thoren, sondern, was noch schlimmer ist, Tausende seiner Parteigänger befinden sich bereits in der Stadt und müssen ihm, wenn man die Kampsart nicht ändert, den Sieg zuwenden. Der geistige Krieg, der im 18. Jahrhundert begann, hat im 19. hauptsächlich dadurch an Kraft und Intensität so bedeutend gewonnen, daß im Westen Europa's die Völker für die sittlichen und materiellen Interessen, die verfochten wer­den, mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht in die Schranken getreten sind. Europa ist dadurch, daß man in den östlichen Staaten den neuen Geist mit Waffen­gewalt aufhalten wollte, in zwei feindliche Hcereslager getheilt worden, deren Unterhalt schwer auf den Nationen lastet und sie beinahe zu Grunde richtet. Wenn man auch zugeben wollte, daß die Zahl der Heere auf der östlichen Seite größer, als auf der westlichen sei, so würde dennoch der Sieg, sobald es zu einer Waffenentscheidung kom­men sollte, den westlichen Völkern verbleiben, weil diese mit der materiellen Kraft der ganzen Nation die Begeisterung für nene, freiere Staatsformen verbinden, während man auf der andern Seite längst abgestorbene Institutionen zu beleben und zu ver­theidigen noch versucht. Das Uebergewicht des Westens liegt seit dem Siege der Schweizer gegen den Sonderbund, seit der eimnüthigen Erhebung Italiens, seit dem Sturz der Regierungsheuchelei in Frankreich, so unzweifelhaft und klar vor Augen, daß selbst der verblendctste Parteimann sich nicht mehr täuschen kann. Darüber, daß auch in den östlichen Staaten und zunächst im österreichischen Äaiserstaate, der am meisten zurückgeblieben ist, im Sinne des Fortschrittes etwas Entscheidendes und Durch­greifendes geschehen müsse, darüber möchten alle Stimmen einig, nur daswie" noch zweifelhaft sein.

Bei der Lösung dieser Aufgabe tritt uns eine dreifache Frage zur Beantwortung entgegen. Soll Oesterreich seine neuen Reformen auf den verschiedenen Nationalitäten seiner Völker, auf den mittelalterlichen Ständen, oder endlich auf dem bloße» Indi­viduum gründen? Das Nationalgcfühl sott allerdings, so lange es nicht dem gesunden Menschenverstand und in egoistische Sonderinteressen verfällt, von jeder Regierung als in einem höhern Geiste und in einer tiefern Sitte wurzelnd, schonend behandelt und geachtet werden. Allein auch dies herrliche Gefühl kann durch Partcitampf gemißbraucht und durch ungerechte Feindseligkeiten zum Nachtheil Aller die Staatseinheit gefährden und erschüttern. Hierin liegt auch der von allen einsichtsvollen Männern allgemein anerkannte Grnnd, daß Oesterreich keine einheitliche, gemeinsame, constitutionclle Verfassung bei sich einführen könne, weil der Staatsregierung schwerlich von den nationalen Parteien die

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