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Tagebuch.
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455
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T a g e b u ch.

i

Die neue« Anforderungen des deutschen Liberalismus.

Das Gewitter, welches in Frankreich die trübe, drückende Atmosphäre gereinigt hat, das in der reinen Luft des Idealismus dem freien Pulsschlag wieder Raum gibt, hat auch in Deutschland die schlummernden Wünsche und Hoffnungen wieder an's Licht treten lassen. Das Volk hat den Muth gefaßt, auszusprechen, was ihm so lange das Herz gepreßt hat.

Es sind im Wesentlichen die alten Rechte, dereii Erfüllungen man verlangt, und daß man es noch erst verlangen muß, wird in der deutschen Geschichte einmal als ein dunkles Blatt aufbewahrt werden; es ist die gesetzliche Freiheit, die alle übrigen civilisirten Völker, Engländer, Franzosen, Amerikaner, Belgier, Holländer, ja Spanier und Por­tugiesen, längst realistrt haben: die Freiheit der Rede, der Schrift, das Recht der Asso­ciation, die Gcschwvrncngerichtc, die wirkliche, nicht blos nominelle ständische Versassung. Wir sind nicht Idealisten, wir stehen aus legitimem historischen Boden, wir wollen nichts, als daß unsere Charte eine Wahrheit werde.

Nur zwei Punkte, von denen der erste allgemein gefordert, der zweite wenigstens hie und da in Anspruch genommen wird: Repräsentation des deutschen Volks am Bun­destage, und Verwandlung des stehenden Heers in eine Nationalbewaffnung, sind als nen zu bezeichnen.

Freilich wird die Forderung einer zweiten deutschen Kammer zur Ergänzung des Frankfurter Fürstcncongrcsses nicht zum ersten Mal ausgesprochen; die Männer von 1815 haben sie gehegt, Arndt, selbst Gvrres, Steffens n. N. haben sie in ihren Schriften vertreten. Aber zum ersten Mal tritt sie als lebendige Forderung auf. Es ist zu fragen, ob sie als eine organische Idee zu betrachten sei, ans der eine neue, fruchtbare Entwickelung Deutschlands hervorgehen könne.

Zunächst hat sie etwas Negatives; sie ist ein Mißtrauensvotum gegen den Bundes­tag. Der permanente Ministercvngreß zu Frankfurt hat nichts gethan, um die einheitliche Entwickelung Deutschlands zu fördern, als daß er allen liberalen Tendenzen hemmend in den Weg getreten ist. Wenigstens dem Anschein nach hatte er weder den Willen noch die Fähigkeit, etwas mehr zu thun. Das Volk ist aber deutsch gesinnt, es will eine freie Entwickelung im nationalen Sinn, und dieser Wunsch bringt die Idee einer Nationalrepräsentation hervor, die freilich bis jetzt eben so ein Problem, eine bloß ge­suchte Größe ist, wie die OrAamskttimi ,Iu travail der Socialisten.

Wenn die Schweizer Progressisten eine Repräsentation des Volks neben der der