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Ein Blick auf Rostock.
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Gin Blick auf Rostock

Schwerin ist schon zu wiederholten Malen in Ihren Blättern erwähnt worden, den Namen Rostock dürste aber kaum der Leser jemals darin gefunden haben. Und doch verdient diese alte Hansestadt wohl einmal eine flüchtige Beachtung darin, wenn sie auch in mancher Beziehung hinter der glänzenderen Residenz zu­rückstehen muß. Das Gepräge von Rostock ist das einer wohlhabenden sich von jeder Schwindelei und künstlich gesteigerten Thätigkeit fern haltenden Handelsstadt. Man liebt hier noch, wie sonst wohl nirgends mehr in Deutschland, der Väter Art und Weise uud sucht möglichst deren Sitten und Lcbensgewohnheiten beizube- halteu. Freilich bleibt da Manches, was unsere Zeit längst als Lächerlichkeit, ja selbst Uuwürdigkeit erklärt hat, zurück, und der Zopf uud zwar oft ein recht dicker, langer, sieht aus allen Ecken und Winkeln hervor, aber ans der andern Seite ist doch auch wieder manches Gute noch vorhaudeu, was mau oft anderswo schmerz­lich vermißt. Den Fluch unserer Zeit, das Proletariat, kennt man hier kaum den Namen nach, und wie es hier keine besonders reichen Menschen gibt, so auch wie­der keine, oder doch nnr äußerst wenige Arme. Als man im vorigen Winter auch hier eine Suppenanstalt errichtete, meldeten sich unter den 20,000 hiesigen Ein­wohnern nur zwei, die Suppe verlangten, und auch diese blieben bald weg, da man ihnen kein Pfund Fleisch mit dazu geben wollte. Auch von einer schroffen Bureaukratie, die sich für mehr wie das übrige Volk hält, einer übermüthig auf­tretenden Polizei, die sich in Alles mischt, ist hier kaum eine Spur vorhanden. Freilich bleibt dafür im Winter der Schnee Tage lang in den Straßen liegen, und wenn sonst gerade viel Neigung zu Dicbstähleu vorherrschte, was aber kei­neswegs der Fall ist, die Polizei würde wenig daran finden.

Das Aeußere der Stadt ist ein ganz stattliches. In ziemlicher Länge streckt sich dieselbe ueben der breiten", oft ganz von Schiffen belebten Wannow hin, und vier große Kircheu mit theilweise ganz hohen Thürmen lassen sie schon aus weiter Ferne erkennen. Die Straßen sind zwar nicht gerade, gut gepflastert, oder mit vielen architektonisch bcachtenSwcrthcn, öffentlichen wie Privatgebäuden geziert, hab eh