Tage b u clz.
i.
Aus Paris.
Neue Phase der dynastischen Opposition. — ^ic Partei und da,! System. — Das Theater und der Esprit.
Heute geht min endlich die Ricscnschlacht, die gerade zwanzig Tage gedauert hat. zu Ende. Sie hat diesmal eine viel größere Bedeutung als in frühern Jahren. Daß die Regierung die Majorität hat, ist Nebensache geworden; Hauptsache ist, daß das Ministerium, uud die Majorität besonders, durch den vorletzten Paragraph der Adresse die Minorität in gewisser Beziehung als „lcidcnschastblindc Feinde" von sich abgestoßen, aus der Kammer hinausgedrängt haben. Sie beabsichtigen mit diesen Worten eine außerparlamentarische Handlung der Opposition zu tadeln, zn „ecnsuriren," uud dadurch zugleich der Regierung Recht zn geben, wenn sie in Zukunft die Wiederholung dieser Handlungen zn verhindern suche. Aber sie erreichten vollkommen das Gegentheil, sie haben die Opposition durch ihre „Censur" nicht nur verletzt, sondern auch in gewisser Beziehung als „Feinde" des Königthums in den Bann gethan, aus dem Kreise der parlamentarischen Bethätigung hinausgewicsen, und eben so sie gerade hierdurch nothwendig zn der außerparlamentarischen Bethätigung ihrer Ansicht gezwungen, wenn die Opposition nicht den Ruf der bürgerlichen Feigheit aus sich laden will. Die Majorität hat so die ganze Opposition nicht nur zn „Feinden" der Regierung erklärt, sondern diese „Feinde" auch überdies in die Nothwendigkeit gesetzt, die Regierung anßcr dem Parlamente mit allen Waffen zn bekämpfen. Herr von Lamartine hatte unbedingt Recht, wenn er sagte: „Sie wollen nns durch Urtheil für Unwürdige erklären. Das wird nnd muß seine Folgen haben; diese Folgen sind nicht in den Absichten der Menschen, aber sie sind in der Logik." Wir theilen vollkommen diese Ansicht. Wir glauben, daß wenn die Mitglieder der Majorität voraussetzten, die Minorität werde es bis zum Aeußerstcn treiben, sie selbst innehalten und umkehren würde; uud ebenso denken wir, daß sehr viele Mitglieder der Minorität bald genug umlenken würden, wenn sie in allem Ernste fürchteten, daß es endlich zu einem neuen Bruche, zu einer ncncn Revolution kommen könnte.
Und dennoch lkgt ein solches Ergebniß — wie weit auch noch außer dem Bereiche der Absichten ..... sehr nahe im Bereiche der Logik, die aus den Thatsachen
hervorgeht, auf denen heute die öffentlichen Zustände in Frankreich fnßen. Die Spannung, die schon heute besteht, ist eben so wenig in der Absicht der Parteien, fast eben so wenig in der der Opposition als in der der Regierung, und dennoch ist sie nnleug- bar vorhanden,'nud dennoch läßt sie schon heute alle Welt trüben Blickes in die nahe