Die jüngsten Kampfe der böhmischen Stände.
An den Redacteur der Grcnzboteu.
Sie haben über die böhmischen Stände bereits so viele Artikel in Ihr geehrtes Blatt aufgenommen, daß vielleicht auch dem gegenwärtigen Aussatze diese Begünstigung zu Theil werden wird, der, wenn gleich nicht der Feder eines besondern Politikers, doch gewiß jener eines Wohlunterrichteten und für dns Vaterland Glühenden entflossen ist.
Der Zweck dieses Aussatzes ist, theils das generelle Streben der böhmischen Stände und die frommen Wünsche der einzelnen Partheyen unter denselben näher zu bezeichnen, theils dasjenige zu berichtigen, was in den eingesendeten Aufsätzen für das Jahr 1846 und 1847 unrichtig angegeben erscheint oder das Unvollständige näher zn erläutern.
Opposition gegen die Willkürlichkciten in der Verwaltung des böhmisch ständischen Domestikalfondes, wie solche seit Anfang des Jahrhunderts stattfanden, war das erste Streben der Stände und Graf Friedrich Deym war der Erwcckcr derselben aus einem 50jährigen Schlafe. Mit damals um so bewunderungswertherm moralischem Muthe, weil er allein dastand gegen verjährtes Unrecht und gegen die unantastbare Würde der Präsidenten, aus deren Worte zu schwören die einzige Thätigkeit der Stände in dem angeführten Zeitraume war, trat derselbe gegen die willkürliche Gcbahrung des Landcs- ausschusscs auf, und die naiv scheinende, aber als Ansang einer ständischen Thätigkeit merkwürdige Frage: Was hat es für eine Bcwandniß mit dem ständischen Lazareth- hösel? war da« erste selbstständige Wort, das man in den Hallen des Schlafes hörte, und das die blau uniformirten Schläfer erweckte.
Doch der Funke des Guten wird nicht erstickt, er schlummert vielmehr nur unter der Asche, und so schlössen sich denn dem böhmischen O'Connel, wie den Grafen alle seine Freunde und Verehrer nennen, mehrere Mitkämpfer aus den ersten böhmischen Familien an, wie Fürst Carl Auersperg, Fürst Franz Colloredo, Fürst Hugo Salm, Fürst Carl Schwarzenberg sammt dessen hoffnnngsvollem Sohne gleichen Namens, Graf Leopold und die beiden Grafen Franz Thun, Graf Albert und Graf Erwin Nostitz, Graf Rudolph Morzin, Baron Christian Kotz und Graf Wilhelm Wurmbrand.
Immer größere Entdeckungen in schlechter Gcbahrung mit dem ständischen Vermögen, die Einsicht der dringenden Nothwendigkeit einer Abhülfe, der sich hieraus ergebende Schluß, wie wünschenswerth es den Ständen wäre, mehre Vertreter ihrer Rechte im Ausschusse zu haben, führten die Stände auch immer weiter auf der Bahn günstiger Reformen; die ständischen Präliminarien wurden nun einer genauen Prüfung unterzogen und zu diesem Ende jährlich drei Individuen aus der Mitte der Stände selbst erwählt; die Ausschußbeisitzcr aus dem Herrenstandc, Freiherr Henninger und Hcnnet wurden in den Jahren 1842 und 1844 durch die Grafen Albert Nostitz und Wurmbrand, die nicht