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Tagebuch.
Seite
220
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T a g e b u ch.

l.

AuS Paris.

P«lam«nt«»isch« «r«bhtit«n. Petlteffen. Oeffcntlichc Stimmung. — Da« „Begveiftn" b«r Resolu­tion. — M» neu?? Journal und seine Predigten.

Der Kampf in der Depntirtentaniiner geht seinen vollen Gang. Die gereizte Stimmung der Kämpfer zeigt sich bei jedem Worte, das gesprochen wird. Herr Garnier Pagös hatte vorgestern Herrn Richond de Brys „Lügen" gestraft, und gestern nannte Herr Thiers seinen ehemaligen Kollegen Guizvt ziemlich direct einen „Verleumder", während am Ende Herr Lherbettc den Ministerpräsidenten einen „Tar- tüffc der Moral" an den .Kopf warf. Und das Alles, ehe der Kampf noch recht ernst wurde. Diese gereizte Stimmung ist ein sehr böses Zeichen; das „Volk" begreift nicht, daß man sich so die „Wahrheit" sagen kann, ohne daß daran etwas Wahres wäre. Und so bricht in ihm der letzte Rest von Achtung vor seiner Regierung und seinen De- vutirten zusammen.

Die Anklage gegen Herrn Guizot bei Gelegenheit der durch Herrn Petit verra­thenen schmutzigen Geschichten, ist nicht, daß gewisse Plätze verkauft wurden, sondern daß Herr Guizvt und sein Privatsecretair sie von Herrn Petit kaufen ließen, und da­für diesem selbst eine andere Stelle gaben, und die gekaufte einem ihrer Günst­linge zukommen ließen. Das Verkaufen und Kaufen dieser Stellen ist eine alte Ge­schichte, aber das Kaufen derselben mit dem Gelde eines Dritten, der dann zum Ersatz eine andere Stelle erhält, ist neu. Herr Guizot, das Journal des D«- bats und alle Freunde der Regierung haben sich alle Mühe gegeben, grade diese Nebenumstände zu übersehen und übersehen zu machen. Es ist das auch vielfach gelungen.

Aber außer der Kammer bleibt doch der Eindruck Verselbe. „Schacher mit Stel« len" u. f. w. u. s. w. sagen die Leute des Volkes, die schlichten Bürger, und wieder-' holen dann gerne die gereizten Ausdrücke, die «us der Kammer in das alltägliche Le­ben herüberschallen. „Lügner, Verleumder, Moraltartüffe!" Es gibt nur zu Viele, denen dieser Ton behagt. Da der Kamps i n der Kammer erst heute beginnt, so wol­len wir die Zeit benutzen, um in etwas die Stimmung außer der Kammer zu schildern.

Es herrscht im Allgemeinen Ruhe, und es gibt Leute genug, die selbst die tiefere Aufregung der Geister leugnen. Aber wir fürchten, es fehlt ihnen das Auge, das