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Tagebuch.
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309
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T a g e b u ch. i.

Aus Wien.

1.

Brodunruhcn. Dic Edelleute und die Privatgüter des Kaisers. Wohlthätige Be­mühungen. Leopoldstädter Theater. Zicmi und seine Braut. Ein naiver Censor

und seine College».

Die Noth der arbeitenden Klassen und dic herrschende Theuerung werden von Tag zu Tag bedrohlicher. Von Oedenbnrg in Ungarn, von Stvckerau in Oesterreich, von Brunn, aus ferneren Städten sowie ans den nächsten Umgebun­gen Wiens laufen dic bctrübcnsteu Nachrichten über stattgehabte Excesse ans den Kornmärktcn ein. Mehrere Magazine wurden erbrochen, den Verkäufern zu geringern Preisen die Waaren abgedrungcn, Schlägereien und sogar Todschlag finden statt; und doch heißt cs im Publikum, daß cinzclnc Männer, dic dcin Kaufmanns-, ja sogar dem geistlichen Stande angehören, zu hundert Tausend Wetzen aufgespeichert hät­ten nnd der allgemeinen Bedrängnis; mit frevelhaften Erwartungen auf Gewinn ungeduldig zusähen. Während der Kaiser ans seinen Privat-Gütern in Ungarn den Bauern Korn zur Aussaat verabfolgen ließ, mit der Bedingung, daß solches crst nach einer segensreichen Ernte wieder in nntinn zurückerstattet werde, ver­kaufen manche Edelleute ihren Unterthanen Korn mit der schmachvollen Bedin­gung, daß ebenfalls nach der Ernte aber zu dcm jetzt stehenden Preise bezahlt werde Erzherzog Stephan hat viele tausend Mctzcn Getreide angekauft und zu cincm bedeutend geringern Preise den Bewohnern des Erzgebirges zugesendet. Vom >6. dieses Monats begann der Magistrat an die Armen Brod zu vertheilen nnd ließ cs den Arbeitn» um cin Fünftel billiger verabreiche» ; zugleich tritt auch

Eine rühmliche, hoffentlich nicht vereinzelte Ausnahme machte Graf Rvstiz i» Böhmen, der viel früher, als das Ausfuhrverbot erschienen, den Beamten auf seine» Gütern den Verkauf von Korn an Fremde verbot und die Ertheilung des nöthigen Ge­treides zur Aussaat an die Bauern anbefahl, mit dem Vorbehalt, daß diese es später i» n-ltnra zurück erstatten. GrenMm. >>. i«47. 41